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Akkordeon

1. Akkordeon lernen

Wie bei jedem Instrument, das man erlernen möchte, heißt es natürlich auch beim Akkordeon „üben, üben, üben“, um in den Genuss motivierender Erfolgserlebnisse zu kommen. Beim Akkordeonlernen und -spielen kommt es auf eine gute Koordination der rechten (Melodie) und linken (Bassakkorde) Hand in Kombination mit der richtigen Balgführung an. Wenn neue Stücke eingeübt werden, ist es – und dies betrifft Anfänger genauso wie fortgeschrittene Akkordeonisten – immer ratsam, die Griffe bzw. das Fingerspiel der rechten und der linken Hand zunächst separat zu üben, bevor man Melodie- und Bassteil eines Liedes zusammen spielt.

Bei einer im Frühjahr 2014 vom Musikhaus Kirstein durchgeführten Umfrage gaben rund 21 Prozent der Umfrageteilnehmer an, Akkordeon erlernt zu haben.
NACH WIE VOR BELIEBT: Das Akkordeon mag zwar vielleicht nicht so ein cooles Image wie beispielsweise die E-Gitarre haben. Dass das Akkordeon aber dennoch nach wie vor durchaus zu den gefragten Musikinstrumenten gehört, hat eine Umfrage bestätigt, die das Musikhaus Kirstein 2014 durchgeführt hat. Immerhin rund 21 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dieses Instrument erlernt zu haben.

Was viele Einsteiger zunächst etwas verunsichert, ist die Tatsache, dass man seine Finger und damit die Griffe, die man am Instrument ausführt, während des Spielens nicht beobachten kann. Doch diese Unsicherheit verschwindet rasch mit den ersten Unterrichtseinheiten, denn der Akkordeonspieler wird von Anfang an dahingehend trainiert, „blind“ zu wissen, wo er sich während des Spielverlaufs gerade auf der Tastatur befindet. Auf der Bassseite des Akkordeons helfen zudem kleine Vertiefungen bzw. Riffelungen auf einzelnen Tasten, sich zu orientieren.

Während für Kinder zu Beginn ein leichteres Instrument mit weniger Tasten optimal ist, können sich erwachsene Einsteiger bedenkenlos direkt an die größeren Akkordeonausführungen (beispielsweise Tastenakkordeons mit 96 Bässen) heranwagen – natürlich immer unter der Voraussetzung, dass das Gewicht des größeren Akkordeons noch gut gehandhabt werden kann.

Pianoakkordeon, Knopfakkordeon oder Steirische?

Bei der Frage, ob es leichter ist, das Spiel auf einem Knopfakkordeon zu erlernen oder auf einem Tastenakkordeon, scheiden sich immer wieder die Geister. Die einen Musiker sehen das so, die anderen wieder anders. – Fakt ist, dass es für jemanden, der bereits Keyboard oder Klavier spielen kann, mit Sicherheit einfacher ist, auf ein chromatisches, gleichtöniges Pianoakkordeon umzusteigen als auf ein chromatisches, gleichtöniges Knopfakkordeon. Andererseits lassen die kleineren Abstände der Diskantknöpfe eines Knopfakkordeons nach entsprechender Übung ein sehr viel schnelleres, flüssigeres Spiel als auf dem Pianoakkordeon zu.

Bei diatonischen Knopfakkordeons entspricht jede vertikale Knopfreihe des Diskantbereichs einer Tonart. Durch diese Einschränkung der verfügbaren Töne können sich natürlich auch gewisse Grenzen hinsichtlich der musikalischen Vielfalt, die man mit diesen Instrumenten umsetzen kann, ergeben. Hat man, wie bei den meisten Steirischen Harmonikas, vier Knopfreihen und damit vier Tonarten zur Verfügung (G-C-F-B oder B-Es-As-Des), ist man hinsichtlich des umsetzbaren Repertoires jedoch relativ gut aufgestellt.

Steirische Harmonikas werden am häufigsten in der typischen alpenländischen Musik eingesetzt. Wer diesen Musikstil liebt, wird seine Traumharmonika deshalb wahrscheinlich unter den Steirischen finden. Diese besonderen Knopfakkordeons basieren auf der diatonischen Tonleiter und sind wechseltönig. Charakteristisch für ihren Klang sind unter anderem auch die ausdrucksstarken, vollen Helikonbässe.

Erste kleine Stücke kann man schon in kurzer Zeit erlernen, wie das folgende Lernvideo verdeutlicht:

Wie unterscheiden sich Steirische Harmonikas von Pianoakkordeons?

  Steirische Harmonika Pianoakkordeon
Töne/Tonleiter diatonisch chromatisch
Diskant Knöpfe Klaviatur
Zug und Druck wechseltönig gleichtönig
Helikonbässe typisch seltener
Tastenumfang Diskant (am gängigsten für Erwachsene) 46 Knöpfe 42 Tasten
Gewicht (bei vorstehend genanntem, gängigen Tastenumfang) ca. 6,5 – 8,5 kg ca. 11 – 13,5 kg
Gibt es Kindermodelle? ja ja
Musikgenres vor allem alpenländische Musik alle
gespielt wird vor allem nach … Griffschrift Noten
Bauweise in verschiedenen Stimmungen ja nein
schnelles Spiel über weite Tondistanzen einfacher schwieriger
Schalltrichter typisches, optisches Element unüblich
Optik meist volkstümlicher/traditioneller oft moderner
gängiges Merkmal zur Typisierung Anzahl der Reihen (Diskant) Anzahl der Bassknöpfe

Notenschriften

Während Pianoakkordeons – diese sind in der Regel chromatisch und gleichtönig – nach den allgemein bekannten, ganz normalen Notenschriften gespielt werden, werden für wechseltönige Knopfakkordeons anstelle normaler Noten in den allermeisten Fällen sogenannte Griffschriften verwendet. Diese Griffschriften sehen auf den ersten Blick zwar aus wie normale Noten, es handelt sich aber lediglich um notenähnliche Symbole. Diese geben nicht die Tonhöhe der zu spielenden Töne an, sondern definieren die Knöpfe, die auf dem Knopfakkordeon gedrückt werden müssen, um den gewünschten Ton erklingen zu lassen. Bei Griffschriften für wechseltönige Harmonikas wird – neben den zu greifenden Tasten – auch dargestellt, ob diese Tasten während des Zusammendrückens oder des Auseinanderziehens des Balgs gespielt werden müssen. Musiklehrer, die „Steirische“ unterrichten, legen allerdings in aller Regel auf das Spielen nach Gehör mindestens genausoviel Wert wie auf die Fertigkeit, nach Griffschriften spielen zu können.

2. Wie werden die Töne bei einem Akkordeon erzeugt?

Stimmzungen

Stimmzunge auf Stimmplatte in Bewegung. Animation: Wikipedia, Johann Pascher.
Stimmzunge auf Stimmplatte in Bewegung. Animation: Wikipedia, Johann Pascher.

Die Töne werden beim Akkordeon über durchschlagende Zungen erzeugt. Diese durchschlagenden Zungen werden auch „Stimmzungen“ genannt. Stimmzungen befinden sich im nicht sichtbaren Inneren des Akkordeons und bestehen aus Metall. Die Elastizität dieses Materials ist Voraussetzung für das Funktionsprinzip durchschlagender Zungen. Beim Zusammendrücken und Auseinanderziehen des Akkordeonbalgs werden Luftströme erzeugt. Diese gelangen, wenn man die Tasten des Akkordeons bedient, zu den einzelnen Stimmzungen des Instruments. Die Luft drückt gegen die Stimmzunge, die sich daraufhin durch die Öffnung der Stimmplatte nach unten biegt und – dank ihrer Elastizität – anschließend wieder nach oben zurückschwingt. Jede Stimmzunge entspricht einer bestimmten Grundfrequenz und damit einer bestimmten Tonhöhe. Je kürzer und dünner eine Stimmzunge ist, desto schneller kann sie vibrieren und desto höher ist der resultierende Ton. Dabei wird der Ton nicht nur durch die Stimmzunge selbst, sondern auch durch die die Stimmzunge umgebende, in Schwingung gebrachte Luft, geformt. Befestigt sind die durchschlagenden Zungen auf sie umgebenden Stimmplatten.

Der Stimmstock eines Akkordeons besteht aus mehreren nebeneinanderliegenden Kanzellen, auf denen wiederum die zugehörigen Stimmplatten fixiert werden. Foto: Wikipedia, Jpascher.
Der Stimmstock eines Akkordeons besteht aus mehreren nebeneinanderliegenden Kanzellen, auf denen wiederum die zugehörigen Stimmplatten fixiert werden. Foto: Wikipedia, Jpascher.

Kanzellen und Stimmstöcke

Der Raum, in den eine durchschlagende Zunge hineinschwingt, nennt man Kanzelle. Die Stimmplatten sind auf diesen Kanzellen fixiert. Eine Kanzelle kann man sich wie eine kleine Holzkammer vorstellen, die einer bestimmten Stimmplatte zugeordnet ist. Mehrere nebeneinanderliegende Kanzellen ergeben wiederum eine Einheit: den Stimmstock eines Akkordeons.

Die Volumen der einzelnen Kanzellen eines Stimmstocks sind unterschiedlich groß und tragen ebenfalls zur Tonbildung bei. Die Luftzufuhr zu den Stimmzungen und den Kanzellen wird über die Tasten und Knöpfe des Akkordeons geregelt: Drückt man eine Taste bzw. einen Knopf des Akkordeons, gelangt über Ventilklappen Luft zu den der Taste zugeordneten Stimmzungen.

 

Lautstärke

Die Lautstärke und Dynamik des Akkordeonspiels hängen unmittelbar von der Balgführung durch den Musiker ab. Durch verschiedene Techniken und die Intensität, mit welcher der Balg bewegt wird, können beim Spielen gezielt Akzente gesetzt werden.

Nachfolgendes Video demonstriert die Spieltechnik des Balgtremolo, englisch: "Bellows Shake":

3. Die richtige Haltung beim Akkordeonspiel

Viele Akkordeons sind sehr schwer – ein Gewicht von um die neun bis hin zu dreizehn Kilogramm sind keine Seltenheit –, deshalb spielt die korrekte Körperhaltung des Musikers eine umso wichtigere Rolle. Akkordeon kann man sowohl im Stehen als auch im Sitzen spielen. Bei beiden Varianten ist es besonders wichtig, den Rücken möglichst gerade zu halten, um Rückenschmerzen vorzubeugen. Das Akkordeon sollte außerdem, vor allem, wenn es relativ schwer ist, möglichst nah am Körper liegen. Das heißt die Trageriemen werden so eingestellt, dass das Instrument während des oft kräftezehrenden Spiels nicht verrutschen kann, sondern eine stabile Position behält. Wer beim Spielen einige wesentliche Punkte beachtet, vermeidet Fehlstellungen sowie daraus resultierende, schmerzhafte Verkrampfungen und kann die Dynamik und Kraft dieses Musikinstruments dauerhaft genießen.

Spielt man das Akkordeon im Sitzen, stützt man es mit dem linken Oberschenkel ab.
Spielt man das Akkordeon im Sitzen, stützt man es mit dem linken Oberschenkel ab.
Spielt man das Akkordeon im Stehen, ist eine gerade Körperhaltung wichtig, um die Wirbelsäule zu entlasten.
Spielt man das Akkordeon im Stehen, ist eine gerade Körperhaltung wichtig, um die Wirbelsäule zu entlasten.

Im Sitzen spielen

Anfängern wird in der Regel empfohlen, zunächst im Sitzen zu spielen. Auch im konzertanten Einsatz ist das Spiel im Sitzen üblich. Da man beim Akkordeonspiel ein ausreichendes Maß an Bewegungsfreiheit braucht, eignen sich nur Stühle oder Bänke ohne Armlehne. Der Spieler sitzt dabei auf dem vorderen Bereich bzw. der Vorderkante des Stuhls und stützt das Instrument mit dem linken Oberschenkel ab. Die Füße stehen fest auf dem Boden.

Im Stehen spielen

Viele Akkordeonspieler bevorzugen das Spiel im Stehen, da sie in dieser Position ein „freieres“, besseres Gefühl haben. Gerade im Stehen ist die richtige Riemeneinstellung ein ganz großes Thema, da man sich selbst während des Spielens meist – oft auch unbewusst – mit dem Spielfluss mitbewegt oder, zum Beispiel bei Aufführungen, musizierend und animierend durch das Publikum „wandert“. Spezielle Hüftgurte können den Schulterbereich entlasten und eine angenehme, unverkrampfte Spielhaltung im Stehen unterstützen.

Einstellung der Riemen

Die beiden Schulterriemen des Akkordeons werden so eingestellt, dass das Instrument fest am Körper sitzt. Beim Spielen im Sitzen stellt man den Gurt auf der Diskantseite etwas länger ein als den auf der Bassseite. Ein zusätzlicher Rücken-Querriemen, mit dem die beiden Tragegurte zusammengehalten werden, unterstützt eine stabile Position des Akkordeons. Der Handriemen der Bassseite muss so viel Platz lassen, dass man mit der Hand problemlos und schnell von unteren zu oberen Positionen (und umgekehrt) wechseln kann. Andererseits darf der Handriemen auch nicht zu viel Spiel lassen, damit der Balg noch gut bedient werden kann, Zug und Druck also gut funktionieren. Ist der Handriemen zu locker eingestellt, verkrampft man seine Hand und die Finger schnell unbewusst, um den nötigen „Grip“ zu erhalten.

4. Ein Instrument – tausend Namen

Das Akkordeon ist im Laufe seiner Geschichte mit vielen – liebevollen wie abwertenden – regional verankerten Bezeichnungen bedacht worden. Da ist vom Riemenklavier, der Ziehorgel, Handorgel, vom Zerrwanst oder auch vom Heimatluftkompressor die Rede. Doch woher kommen Bezeichnungen wie „Schifferklavier“ oder „Schweineorgel“? Wir haben ein wenig recherchiert …

Akkordeon
Als „Akkord“ bezeichnet man den Zusammenklang mehrerer, unterschiedlich hoher Töne. Und genau diese Akkordbildung ist charakteristisch für das Akkordeon: die Akkorde (Dur-, Moll- und Septim-Akkorde) werden über die Knöpfe des Bassteils gespielt.

Handharmonika
Diese Benennung betont, wie auch die ? Ziehharmonika, den Unterschied der Luftstromerzeugung zur Mundharmonika.

Quetsch‘n oder Quetschkommode
Diese Bezeichnungen beziehen sich auf die Klangerzeugung, die durch das Zusammendrücken, also das Quetschen, des Akkordeonbalgs in Gang gebracht wird. „Quetsch’n“ entstammt dabei dem alpenländischen Dialekt, „Quetschkommode“ der hochdeutschen Umgangssprache. Der Wortbestandteil „Kommode“ bezieht sich auf das kastenförmige Erscheinungsbild des Akkordeons.

Schifferklavier
Diese Bezeichnung leitet sich von der Popularität des Instruments bei Matrosen bzw. Seemännern ab. Das Pianoakkordeon ähnelt mit seiner Diskanttastatur einem Klavier (wenngleich die Art der Tonerzeugung natürlich eine ganz andere ist) und war gleichzeitig kompakt genug, um problemlos mit auf Reisen genommen werden zu können.

INFO-TIPP: Handzuginstrumentenmacher

Handzuginstrumentenmacher fertigen Akkordeons, aber zum Beispiel auch Mundharmonikas, und reparieren sie. Die Ausbildung zum Handzuginstrumentenmacher dauert drei Jahre. Wer diesen Beruf erlernen möchte, braucht ein gutes musikalisches Gehör und handwerkliches Geschick.

» Steckbrief der Bundesagentur für Arbeit zum Beruf Handzuginstrumentenmacher/in

Schweineorgel
Dieser Begriff kommt nicht nur im Zusammenhang mit Akkordeons vor, sondern auch beim Harmonium oder der Hammondorgel. Ursprünglich soll es sich bei der „Schweineorgel“ um ein surreales, fiktives Musikinstrument gehandelt haben, das im 15. Jahrhundert der Phantasie Ludwigs XI und einem Erfinder entsprungen war und bei dem die Töne durch quiekende Schweine erzeugt werden sollten. Wie es dazu kam, dass die „Schweineorgel“ – teils als abwertende, teils als liebevoll-ironische umgangssprachliche Bezeichnung – für Akkordeons verwendet wurde, ist nicht ganz klar, allerdings kommt der sprachliche Vergleich mit der Orgel des Öfteren vor. Dies ist durch die Tatsache zu erklären, dass es auch bei Orgeln sogenannte „Zungenstimmen“ gibt: Bei den Lingualpfeifen von Orgeln wird der Klang ebenfalls dadurch erzeugt, dass ein Luftstrom die Metallzunge in Schwingung versetzt.

Ziach
Als „Ziach“ werden – zum Beispiel in Bayern und Österreich – Steirische Harmonikas bezeichnet. Sie sind diatonisch, wechseltönig und weisen als Besonderheit Helikonbässe auf, die ein ganz besonders charakteristisches Klangbild erzeugen.

Ziehharmonika
Harmonikainstrumente erzeugen über sogenannte durchschlagende Zungen, die durch einen Luftstrom in Schwingung versetzt werden, Töne. Im Gegensatz zur Mundharmonika, bei der die Luft zur Klangerzeugung durch Anblasen mit dem Mund  an diese Zungen herangeführt wird, geschieht dies beim Akkordeon durch das Auseinanderziehen und Zusammendrücken des Balgs, der die Bass- und die Diskantseite des Akkordeons miteinander verbindet. Das Wort „Harmonika“ leitet sich aus dem lateinischen „harmonicus“ = „harmonisch“ ab und meint den ausgewogenen Zusammenklang der gleichzeitig erzeugten Töne (Diskant- und Bassseite).

Die MIDI-Technik ist von außen so gut wie nicht sichtbar.
Die MIDI-Technik ist von außen so gut wie nicht sichtbar.

5. Was ist ein MIDI-Akkordeon?

MIDI-Akkordeons sind mit elektronischen Bauteilen und einer MIDI-Schnittstelle ausgerüstet. Ganz praktisch bedeutet dies, dass der normale Klang des Akkordeons um zusätzliche – elektronische – Klänge ergänzt werden kann, man also wahlweise die Möglichkeit hat, sowohl die Diskant- als auch die Basstasten mit digitalen Sounds anderer Instrumente zu belegen. Theoretisch vorstellbar wäre zum Beispiel, die Melodie, die man im Diskant spielt, als Orgel erklingen zu lassen, die Grundbässe als Tuba und die Akkordbegleitung als Gitarre.

Prinzipiell kann jedes beliebige akustische Akkordeon zum elektronisch nachgerüsteten MIDI-Akkordeon werden. Die ergänzten Bauteile sind in der Regel kaum sichtbar und das Akkordeon kann nach wie vor auch als rein akustisches Instrument gespielt werden. MIDI-Akkordeons bieten vor allem Alleinunterhaltern bzw. Bühnenmusikern enorm gesteigerte Performancemöglichkeiten.

MIDI ist die Abkürzung von „Musical Instrument Digital Interface“ und bedeutet übersetzt „digitale Schnittstelle für Musikinstrumente“. Die Anfang der 1980er Jahre eingeführte Technologie erlaubt die Übertragung digitaler Daten zwischen elektronischen Geräten zur Musikproduktion bzw. –bearbeitung. MIDI-Dateien sind keine Audiodateien, sondern sie enthalten Informationen zur Höhe, zur Anschlagsstärke oder zur Dauer eines Tons.

6. Berühmte Akkordeonspieler

Hubert von Goisern in Neuwied, 2009. Foto © Eckhard Henkel, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE.
Hubert von Goisern in Neuwied, 2009. Foto © Eckhard Henkel, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE.

Hubert von Goisern …

… brachte sich das Spiel auf der Steirischen Harmonika selbst bei. Neben der Steirischen beherrscht der österreichische Liedermacher aber auch weitere Musikinstrumente wie etwa die Trompete, die Gitarre, die Klarinette oder das Alphorn. Das Erfolgsrezept des „Alpenrockers“ liegt seit den 1980er Jahren darin, traditionelle Volksmusik mit Rock- und Bluessounds sowie anderen Musikstilen aus der ganzen Welt zu kombinieren. Sein 2011 veröffentlichtes Lied „Brenna tuat’s guat“ wurde ein Nummer-eins-Hit in Österreich und platzierte sich auch erfolgreich in den deutschen Singlecharts.

INFO-TIPP: Zupan Slavko Avsenik

Sondermodell Zupan Slavko Avsenik

Anlässlich des 82. Geburtstages von Slavko Avsenik stelle Zupan sein Sondermodell „Slavko Avsenik“ vor. Das vom Meister des Akkordeonbaus Valentin Zupan persönlich gefertigte Instrument ist mit einem besonderen Kleinod versehen: Avsenik komponierte zu Ehren Zupans die Melodie „Mit der Harmonika um die Welt“ – die Noten dieses Stückes finden sich auf dem Verdeck des Akkordeons wieder.

 

Slavko Avsenik …

… gehört alleine schon durch die Tatsache, dass er einst das legendäre „Trompetenecho“ – Erkennungsmelodie des „Musikantenstadl“ – komponierte, hierzulande sicherlich zu den populärsten Akkordeonisten überhaupt. Aber nicht nur die eingängige Titelmelodie, die zeitweise sicherlich jedem Kind bekannt war, sorgte für den unglaublichen Erfolg Avseniks. Zusammen mit seinem Bruder gründete er das Ensemble „Original Oberkrainer“ und schuf er den „Oberkrainer Sound“, der in der volkstümlichen Musik einen unaufhaltsamen Siegeszug antrat und bis heute nicht mehr aus diesem Genre wegzudenken ist. Der international bekannte, slowenische Komponist und Akkordeonist, der mit seinen „Original Oberkrainern“ mehr als 36 Millionen Tonträger verkauft hat, verstarb im Juli 2015 im Alter von 85 Jahren.

7. Wie pflege ich mein Akkordeon?

Alleine schon angesichts der Anschaffungskosten, die ein Akkordeon mit sich bringt und die in der Regel auch nicht gerade ein Pappenstiel sind, sollte ein Akkordeon immer gut gepflegt werden. Unsere kleine Checkliste gibt Ihnen die wichtigsten Tipps zum guten Umgang mit Ihrem Instrument:

✔ Erschütterungen vermeiden

Die komplexe Mechanik des Akkordeons nimmt es übel, wenn Sie mit Ihrem Instrument allzu grob umspringen. Stellen Sie Ihr Akkordeon immer vorsichtig ab und achten Sie darauf, dass Ihr Akkordeonkoffer bzw. Ihre Gigbag vernünftig gepolstert sind. Heftigere Stöße und Erschütterungen können unter anderem dazu führen, dass sich die Stimmstöcke im Innern des Instruments lösen.

✔ Akklimatisierung gewähren

Wird das Akkordeon stärkeren Temperaturschwankungen ausgesetzt, kommt es also zum Beispiel aus der Kälte in eine wärmere Umgebung, sollten Sie Ihr Akkordeon etwa eine halbe Stunde an das neue Raumklima gewöhnen. Lassen Sie Ihr Instrument für diese Zeit im Raum stehen und betätigen Sie anschließend mehrmals den Balg, während Sie den Luftknopf drücken, damit möglichst viel Luft durch das Akkordeon strömen kann. Der Feuchtigkeit, die sich unter Umständen zuvor durch Kondensation im Innern des Instruments gebildet und auf einzelnen Bauteilen abgesetzt hat, kann durch diesen Luftaustausch entgegengewirkt werden.

✔ Baumwolltuch und Koffer nutzen

Wenn Sie Ihr Akkordeon nach dem Spielen regelmäßig mit einem weichen Tuch „bearbeiten“, das heißt Tasten, Diskantverdeck usw. abwischen, und das Akkordeon bis zu seinem nächsten Einsatz im Koffer verstauen, statt es einfach so im Raum abzustellen, vermeiden Sie unnötige Schmutzablagerungen am und im Instrument. Für diese regelmäßige, einfache Pflege sind keine zusätzlichen Pflegemittel notwendig.

✔ Fachwerkstatt einbeziehen

Rost und andere Ablagerungen auf den Stimmzungen können dazu führen, dass ein Akkordeon nicht mehr richtig gestimmt ist. Fachwerkstätten reinigen die Stimmplatten Ihres Akkordeons professionell und sind ebenfalls der richtige Ansprechpartner, wenn Klappenbeläge erneuert oder die Diskant- oder Bassmechanik justiert werden müssen.

8. Glossar

a mano
Aus dem Italienischen stammende Bezeichnung, die sich auf die Qualität der Stimmplatten bzw. Stimmzungen bezieht. „A mano“ bedeutet „handgefertigt“; dies entspricht der höchsten Qualitätsstufe.

aufschlagende Zunge
siehe ➝ durchschlagende Zunge

Aufzug
Auseinanderziehen des Balgs

Cassotto
besondere Tonkammer auf der Diskantseite; der Klang wirkt hierdurch fülliger und weniger obertonreich

Chor
= Stimmplattensatz

chromatisch
Tonleiter aus einer Abfolge von zwölf Halbtönen

diatonisch
Tonleiter aus einer siebenstufigen Tonabfolge von Halb- und Volltonschritten

durchschlagende Zunge
Die Zunge ist ein Metallplättchen, das durch einen Luftstrom in Schwingung versetzt wird und so Töne erzeugt. Von „durchschlagenden Zungen“ spricht man, wenn eine solche Zunge in beide Richtungen (nach oben und nach unten) schwingt. Im Gegensatz dazu steht die „aufschlagende Zunge“, die nur zu einer Seite hin in Schwingung versetzt wird.

gleichtönig
Beim Auseinanderziehen und Zusammendrücken des Balgs ergibt sich für eine gedrückte Diskanttaste derselbe Ton.

Gleichton
Knopf, der beim wechseltönigen Akkordeon entgegen der üblichen Funktionalität beim Auseinanderziehen und Zusammendrücken des Balgs den gleichen Ton abgibt; im Prinzip also ein gleichtöniger Knopf in der wechseltönigen Harmonika.

Harmonik
Begriff aus der Musiktheorie; Zusammenklang der Töne

Harmonika
Unter dem Begriff wird in aller Regel ein diatonisches, wechseltöniges Akkordeoninstrument verstanden.

Kanzelle
Tonkammer, in welche die zugeordnete Stimmzunge hineinschwingt

Klangzunge
= Stimmzunge

Klavierakkordeon
= Tastenakkordeon

Konverterbass
Eine Auswahl der Bassknöpfe kann auf Melodiebass umgeschaltet werden, sodass auch mit der linken Hand (zusätzlich zur rechten) eine Melodie gespielt werden kann.

Lingualpfeife
= Zungenpfeife; spezielle Orgelpfeife, bei der die Klangerzeugung über eine Metallzunge, die durch einen Luftstrom in Schwingung versetzt wird, realisiert wird.

Luftknopf
Drückt man den Luftknopf eines Akkordeons, lässt sich der Balg auseinanderziehen und zusammendrücken, ohne dass ein Ton erzeugt wird.

Melodiebass
Bassknöpfe, über die man keine Akkorde, sondern Melodien spielt

Pianoakkordeon
= Tastenakkordeon

Quinte
von lat. „quinta“ = die Fünfte; Intervall von fünf Tonstufen bzw. sieben Halbtonschritten

Register
Kombinationsmöglichkeiten von Chören; Register finden sich meist in Form von Schaltern auf der Diskantseite, auch auf der Bassseite haben viele Akkordeons Registerschalter.

Schüttelbalg
Spieltechnik; Balgtremolo = Ballows Shake

Schwebeton
Ton, der sich vom Basis-/Grundton ganz leicht in der Tonhöhe unterscheidet

Stimmplattensatz
langer Metallrahmen, auf dem alle Stimmzungen eines Stimmstocks untergebracht sind

Stimmstock
Zusammenfassung/Anordnung mehrerer Kanzellen zu einer Einheit

Stimmzunge
= durchschlagende Zunge

Stradella-Bass
Standardbass; Anordnung der Bassknöpfe in Quinten (vertikal) und Dur-, Moll- und Septakkorden (horizontal); die allermeisten Akkordeons sind mit diesem Basssystem ausgestattet.

Tastenakkordeon
Akkordeon, dessen Diskantseite über Tasten (im Gegensatz zu Knöpfen) gespielt wird.

Tremolo
Wird ein Ton gespielt, erklingen beim Tremolo neben dem normalen Basiston noch ein oder zwei weitere Töne, deren Tonhöhen sich ganz leicht vom Grundton unterscheiden. Der Klang wirkt hierdurch voller und lauter.

Wechselbass
Spieltechnik, bei der ein benachbarter Basston ins Spiel einbezogen wird; zum Beispiel wird statt nur C – c – C – c beim Wechselbassspiel C – c – G – c. C ist dann der Grundbass, c der zugehörige Durakkord und G der Wechselbass.

wechseltönig
Beim Auseinanderziehen und Zusammendrücken des Balgs ergiben sich für eine gedrückte Taste/einen gedrückten Knopf zwei unterschiedliche Töne.

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am: 03.09.2015, Autor: Jutta Kühl

Quellen/Fotos/Grafiken:

http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/start?dest=profession&prof-id=2694
http://www.duden.de/rechtschreibung/Harmonika
http://www.hohner-verlag.de
http://orgel-in-bunt.de/lexikon.html
https://pixabay.com/de/akkordeon-musikinstrumente-klang-362722/
https://pixabay.com/de/kinder-niedlich-hut-person-spielen-51499/
http://www.volksmusikschule.at/griffschriftlehre.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Akkordeon
https://de.wikipedia.org/wiki/Brenna_tuat‘s_guat
https://de.wikipedia.org/wiki/Durchschlagende_Zunge
https://de.wikipedia.org/wiki/Harmonik
https://de.wikipedia.org/wiki/Hubert_von_Goisern
https://de.wikipedia.org/wiki/Orgelpfeife
https://de.wikipedia.org/wiki/Quinte
https://de.wikipedia.org/wiki/Schweineorgel
https://de.wikipedia.org/wiki/Slavko_Avsenik
https://de.wikipedia.org/wiki/Steirische_Harmonika
https://de.wikipedia.org/wiki/Akkordeon#/media/File:Stimmstoeke.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Durchschlagende_Zunge#/media/File:Stimmplatte-mode1.gif
https://de.wikipedia.org/wiki/Hubert_von_Goisern#/media/File:2009-07-29_Hubert_von_Goisern,_Neuwied_IMG_0147.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Totenkopfschwärmer#/media/File:Acherontia_atropos_MHNT_dos.jpg
https://www.youtube.com/watch?v=mbxWMiHsA6c