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Welches Akkordeon ist das richtige für mich?

Akkordeon ist nicht gleich Akkordeon. Es gibt unterschiedliche Akkordeon-Grundtypen und darüber hinaus zahlreiche Varianten hinsichtlich des Tonumfangs, des Gewichts, des Klanges, der Bauart und weiterer Merkmale. Und natürlich variieren auch die Anschaffungskosten für dieses vielseitige Instrument: von "günstig" bis "Spitzenliga" ist alles drin.

Mit unserer kleinen Einführung in Grundbegrifflichkeiten zum Thema "Akkordeon" möchten wir Ihnen eine erste Orientierungshilfe zur häufig gestellten Frage "Welches Akkordeon ist denn das richtige für mich?" geben.

Eines schon vorweg: Diese Frage ist pauschal nicht zu beantworten. Klar ist, dass der Musiker sich mit seinem Instrument rundum wohl fühlen muss. Es gibt einige Kriterien, über die man sich der Fragestellung aber annähern kann. Welche charakteristischen Merkmale eines Akkordeons individuell für Sie relevant sind, finden Sie am besten im Gespräch mit einem Experten heraus. Wichtig ist auch das Ausprobieren verschiedener Modelle, denn ein Akkordeon muss im wahrsten Sinne des Wortes zu einem passen!

drei unterschiedliche Akkordeontypen
Es gibt unterschiedliche Akkordeon-Grundtypen wie Tastenakkordeon (vorne), Knopfakkordeon (hinten links) oder Steirische Harmonika (hinten rechts).

Grundbegrifflichkeiten zur ersten Orientierung

Überbegriff Akkordeon

Akkordeons gehören zu den so genannten "Handzuginstrumenten". Wie der Name "Handzuginstrument" schon ausdrückt, funktionieren Akkordeons also über das Auseinanderziehen und Zusammendrücken mit der Hand. Sehr vereinfacht gesagt, bestehen Akkordeons aus drei Teilen: links befindet sich das feste Bass-Gehäuse, rechts das feste Diskant-Gehäuse und in der Mitte sind diese beiden Teile durch einen Balg miteinander verbunden. Der Balg lässt sich auseinanderziehen und zusammendrücken. Durch das Ziehen und Drücken wird Luft in die beiden Seitenteile geführt. Dort befinden sich so genannte "Stimmzungen", durch die Töne erzeugt werden.

Bass-Seite

Vom Akkordeonspieler aus gesehen auf der linken Seite befindet sich die Bass-Seite. Hier sind Bassknöpfe nach bestimmten Systemen – es gibt verschiedene Basssysteme – in vertikaler und horizontaler Richtung angeordnet. Unterschiedliche Akkordeons besitzen unterschiedlich viele Bassknöpfe. 120-bassige Instrumente gehören zu den größten unter den Akkordeons. Die einzelnen Bassknöpfe erzeugen harmonische Akkorde, daher auch der Name "Akkordeon".

Diskant-Seite

Die Diskant-Seite befindet sich vom Akkordeonspieler aus gesehen rechts und ist die "Melodie-Seite". Über den Diskant wird also die Melodie gespielt. Je nach Akkordeontyp besteht der Diskant aus einer Klaviatur – also Tasten ähnlich dem Klavier – oder runden, knopfförmigen Tasten. Je mehr Diskanttasten ein Akkordeon besitzt, umso schwerer und größer ist dieses in der Regel auch – alleine schon deswegen, weil ein größeres (und damit auch schwereres) Gehäuse nötig ist, um eine höhere Anzahl von Tasten "unterzubringen".

Balg, Diskant und Bass eines Akkordeons
Ganz grob ausgedrückt besteht ein Akkordeon aus drei Teilen: Balg, Diskant- und Bassseite.

Chromatisches Akkordeon

Chromatische Akkordeons basieren auf chromatischen Tonleitern - also Tonleitern, die aus einer Abfolge von zwölf Halbtönen bestehen - und sind in der Regel gleichtönig, das heißt, dass beim Auseinanderziehen und Zusammendrücken des Balgs während des Spielens einer Taste ein und derselbe Ton entsteht.

Diatonisches Akkordeon

Diatonische Akkordeons basieren auf diatonischen Tonleitern. Diese sind in der Regel siebenstufig und die Tonabstände bestehen aus Halbton- und Volltonschritten. Diatonische Akkordeons sind gleichzeitig meist auch wechseltönig, das heißt, dass beim Auseinanderziehen des Instruments ein anderer Ton als beim Zusammendrücken entsteht.

Tastenakkordeon: chromatisch

Bei einem Tastenakkordeon wird die Melodie im Diskant (rechts) über Tasten gespielt, die Klaviertasten gleichen. Das Tastenakkordeon wird deshalb auch Pianoakkordeon genannt. Tastenakkordeons sind in der Regel chromatisch und gleichtönig. Die Tasten eines Tastenakkordeons sind etwas schmaler als die Tasten eines Klaviers.

Knopfakkordeon: chromatisch

Im Gegensatz zum chromatischen Tastenakkordeon wird beim chromatischen Knopfakkordeon die Melodie auf der rechten Seite nicht über klavierartige Tasten, sondern über Knöpfe gespielt. Die meisten chromatischen Knopfakkordeons verfügen über fünf Knopfreihen. Manche chromatischen Knopfakkordeons haben schwarze und weiße Knöpfe. Diese entsprechen dann wiederum den weißen und schwarzen Tasten eines Klaviers.

Steirische Harmonika: diatonisch

Die Steirische Harmonika schließlich wird – wie das chromatische Knopfakkordeon – im Diskant (Melodieseite) über eine Knopftastatur gespielt. Allerdings basiert die Steirische auf der diatonischen Tonleiter und ist meist wechseltönig: Wenn man die Steirische Harmonika auseinanderzieht und zusammendrückt, werden unterschiedliche Töne erzeugt. Steirische Harmonikas werden vor allem im Bereich der typischen regionalen, alpenländischen Volksmusik in Bayern, Österreich und Südtirol eingesetzt.

eine Steirische Harmonika von Alpenklang mit Kirschholzfurnier
Die Steirische Harmonika "Mini" von Alpenklang

Tonumfang, Größe und Gewicht

Größe und Gewicht eines Akkordeons hängen vom Tonumfang im Diskant ab. Je größer der Tonumfang auf der Melodieseite, umso höher ist auch das Gewicht eines Akkordeons.

Hier beispielhaft einige Richtwerte:

Tastenakkordeon
17 Diskant: um die 2 kg
26 Diskant: um die 5 kg - 6 kg
34 Diskant: um die 6,5 kg - 9 kg
38 Diskant: um die 8,5 kg - 11,5 kg
42 Diskant: um die 11 kg - 13,5 kg

Knopfakkordeon/Steirische Harmonika
31 Diskant: um die 4 kg
33 Diskant: um die 5 kg – 6 kg
46 Diskant: um die 6,5 kg – 7,5 kg
48 Diskant: um die 7 kg – 8,5 kg
77 Diskant: um die 8,5 kg – 12 kg

Akustik

Man kann schon sagen, dass ein schwereres Akkordeon akustisch tendenziell besser klingt als eines mit geringerem Gewicht. Dies hängt jedoch nicht nur mit dem Tonumfang, sondern auch mit den verwendeten Materialien zusammen, aus denen das Akkordeon gefertigt wurde. Ein Korpus aus Holz hat in der Regel einen weitaus besseren Klang als ein aus Kunststoffmaterialien produziertes Instrument. Das hängt auch damit zusammen, dass Holz Vibrationen längst nicht in dem Umfang überträgt wie Kunststoff. Und ähnlich wie bei Lautsprecherboxen ist es für einen guten Klang beim Akkordeon wichtig, dass die Korpusteile möglichst wenig vibrieren. Traditionell verwandte man früher vor allen Dingen Massivholzarten im Akkordeonbau. Heutzutage ist es eher üblich, Mehrschichtholz zu verwenden. Die Akustik bzw. der Klang von Akkordeons, die aus Mehrschichtholz hergestellt wurden, ist sehr gut.

Warum Kinder auf ein Akkordeon mit geringerem Tonumfang zurückgreifen sollten

Tonumfang, Größe und Gewicht eines Akkordeons spielen eine wesentliche Rolle bei der Überlegung, welches Akkordeon das richtige ist. So können vor allem jüngere Anfänger rasch überfordert sein, wenn das Akkordeon zu groß und zu schwer ist. Aber auch für Erwachsene ist das Gewicht relevant. Wie schon erläutert, nehmen mit zunehmendem Tonumfang eines Akkordeons auch sein Gewicht und seine Abmessungen zu.

 

A = Diskant: geringerer Tonumfang - weniger Tasten = weniger Gewicht

B = Diskant: größerer Tonumfang - mehr Tasten = mehr Gewicht

Ein Junge beim Akkordeonspiel
Jüngere Anfänger sollten nicht durch zu große und schwere Akkordeons überfordert werden.
A B
Orchesterspieler Von Orchesterspielern wird oft ein größerer Tonumfang gewünscht.
Kinder Ein geringeres Gewicht und altersgerechte Maße sind von Vorteil.
Stimmungsmusiker & Alleinunterhalter Die Entscheidung hängt von Ausdauer, Können und Körperstatur ab. Je länger ein Auftritt eines Solo-Akkordeonisten ist, desto anstrengender werden ein hohes Gewicht und große Abmessungen des Instruments.
Anfänger Ein Akkordeon mit geringerem Tonumfang und kompakten Maßen lässt sich leichter bespielen.
Menschen mit Rückenproblemen Um Spielschmerzen zu vermeiden, sollte ein eher leichtes Akkordeon gewählt werden.
Hobbymusiker Die Entscheidung für das passende Akkordeon sollte mit Rücksicht auf Körperstatur, Können und Länge der Spieldauer getroffen werden.
Ältere Menschen Natürlich sind auch hier wieder Können und Körperstatur ausschlaggebend, allerdings haben viele Menschen mit zunehmendem Alter Probleme, ein hohes Gewicht zu "stemmen".

"Ich selbst habe mit sieben Jahren mit dem Akkordeonspielen angefangen."

Kirstein-Mitarbeiter Stefan Mayr
"Besonders wichtig ist es, dass das Instrument gut am Körper liegt"

Stefan Mayr, Mitarbeiter des Musikhauses Kirstein, spielt schon seit vielen, vielen Jahren Akkordeon. Wir haben ihn gefragt, welche Aspekte besonders wichtig sind, wenn man beginnt, Akkordeon zu lernen und was ihm persönlich so gut an diesem Instrument gefällt.

Stefan, wann hast Du selbst eigentlich angefangen, Akkordeon zu spielen?
Stefan Mayr: Ich selbst habe mit sieben Jahren mit dem Akkordeonspielen angefangen.

Ab wann kann man anfangen, Akkordeon zu lernen? Gibt es da eine Empfehlung?
Stefan Mayr: Ich würde ein Alter von etwa acht Jahren aufwärts empfehlen. Dann kann man in der Regel davon ausgehen, dass ein typisches Einsteigerakkordeon mit 48 Bässen weder zu groß noch zu schwer ist.

Auf was sollte man Deiner Meinung nach als Anfänger besonders achten? Jetzt ganz unabhängig vom Alter?
Stefan Mayr: Besonders wichtig finde ich, dass das Instrument gut am Körper liegt und vor allem nicht zu schwer ist, wenn man anfängt, Akkordeon zu lernen.

Denkst Du, dass der Klang eines Akkordeons abhängig von der Marke ist? Gibt es da irgendwelche besonderen Klangausrichtungen bei den unterschiedlichen Marken?
Stefan Mayr: Ja, natürlich! Der Klang eines Akkordeons ist immer abhängig von der Marke. Wenn wir hier im Musikhaus Akkordeon-Einsteiger beraten, kann die Empfehlung für eine bestimmte Marke unterschiedlich ausfallen. Klar, auch der individuelle Geschmack des Musikers spielt dabei immer eine relativ große Rolle.

Akkordeon kann man ja prima solo spielen. Wenn aber jemand lieber mit anderen Leuten zusammenspielen möchte: Wem würdest Du eher empfehlen, in einem Akkordeonorchester zu spielen? Und für wen ist eher das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten etwas? Kann man das so beantworten?
Stefan Mayr: Also … hm, nein, das kann man so nicht beantworten. Die Wahl hängt ganz einfach von der persönlichen Einstellung und natürlich auch vom jeweiligen Musikgeschmack ab. Im Orchester, das ist halt etwas ganz anderes, als in einer kleineren Gruppe zu musizieren.

Ich habe gelesen, dass traditionelle Folkloremusiker anscheinend oft Wert auf ein so genanntes "Doppeltremolo" legen. Kannst Du kurz erklären, was das ist?
Doppeltremolo nennt man den Klang, der hauptsächlich im alpenländischen Raum bei der Folklore- bzw. Volksmusik verwendet wird. Alle Steirischen haben dieses Doppeltremolo als Klangcharakter.

Stefan, zum Schluss interessiert uns natürlich: Was gefällt Dir persönlich eigentlich am Akkordeonspielen besonders?
Ich finde es besonders toll, dass Akkordeons überall zur Anwendung kommen. Ob Du jetzt Volksmusik, Rockmusik oder andere Sparten nimmst – ein Akkordeon kann echt in jeder Stilrichtung eingesetzt werden! Außerdem gefällt mir, dass man mit nur einem einzigen Instrument gleichzeitig Melodie, Grundbass und Begleitung spielen kann.

 

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am: 19.01.2015, Autor:

Glossar: Akkordeon

Basstastatur
linke Seite des Akkordeons

Clavishebel
Hebel, der die Diskant-Tasten mit Klappen verbindet; durch diese Mechanik wird beim Herunterdrücken einer Taste der Weg für den Luftstrom freigegeben.

Cassotto
gesonderte Tonkammer auf der Diskantseite; Konstruktion im Akkordeonbau, die zu einem abgeänderten Klangbild führt, das einige als wärmer und weicher, andere als eher dumpf beschreiben.

Chöre
Stimmplattensätze

Diskant
rechte Seite des Akkordeons; Melodieseite; Melodietastatur

Durchschlagzunge
= Stimmzunge

gleichtönig
Die Töne, die durch Luftstrom und Stimmzungen erzeugt werden, bleiben gleich – egal, ob man den Balg des Akkordeons auseinanderzieht oder zusammendrückt.

Griffschrift
spezielle Notation/Notenschrift für steirische Harmonikas, die anzeigt, welche Tasten/Knöpfe gegriffen werden müssen (im Gegensatz zu "normalen Noten")

Helikonbass
siehe Helikonstimmplatte

Helikonstimmplatte
Stimmplatte, die größer als die übrigen Stimmplatten ist und den Grundbass der Steirischen Harmonika ausmacht. Das Helikon ist ein Blechblasinstrument. Die Helikonstimmplatte wurde aufgrund ihres dunklen, vollen Klangs nach dem Blasinstrument benannt.

Kanzelle
Kanal/Hohlraum, über den der durch den Balg erzeugte Luftstrom zur Stimmzunge geführt wird. Welche Kanzellen per Luftstrom "angesteuert" werden, wird durch das Betätigen der Tasten geregelt.

Klaviatur
= Tastatur

Knopfakkordeon
Auf der Diskantseite (vom Spieler aus gesehen rechte Seite) des Akkordeons wird die Melodie über Knöpfe gespielt.

Register
Kombination von Chören/Stimmplattensätzen; Sowohl auf der Diskant- als auch der Bass-Seite des Akkordeons können durch den Einsatz von Registern die Klangfarben eines Akkordeons abgewandelt werden.

Schwebeton-Stimmung
siehe Tremolostimmung

Stimmplatte
Metallplatte, auf der die Stimmzungen angebracht werden

Stimmzunge
Metallstreifen, durch dessen Schwingung ein Ton erzeugt wird

Tastenakkordeon
Pianoakkordeon; Auf der Diskantseite (vom Spieler aus gesehen rechte Seite) des Akkordeons wird die Melodie über Tasten (ähnlich Klaviertasten) gespielt.

Tremolo-Stimmung
Klangeffekt; bestimmte Wirkung, die dadurch erzielt wird, dass pro Ton mehrere Stimmzungen (mit jeweils leichten Tonabweichungen) schwingen.

wechseltönig
Zieht man den Balg des Akkordeons auseinander, entsteht ein anderer Ton als beim Zusammendrücken des Balgs. Die Töne, die durch den Luftstrom und die Stimmzungen entstehen, unterscheiden sich je nach Richtung des Luftstromes, der durch die Stimmzunge hindurchgeführt wird.