E-Gitarre: 6 Stahlsaiten, die die Welt bedeuten
E-Gitarren-Saiten sind ein zentrales Thema für jeden Gitarristen. Sie beeinflussen Klang, Spielgefühl, Ansprache und Stimmstabilität und sollten deshalb zur eigenen Gitarre und zum persönlichen Stil passen. Dieser Ratgeber richtet sich vor allem an Einsteiger, die sich einen verständlichen Überblick verschaffen möchten, bietet aber auch Fortgeschrittenen hilfreiche Informationen zu Saitenaufbau, Materialien, Stärken und Einsatzbereichen.
Tonhöhe
Die Tonhöhe einer Saite ist sowohl von ihrer Masse - also Dicke - als auch von ihrer Spannung abhängig. Je dicker die Saite und je geringer ihre Spannung ist, desto tiefer fällt der resultierende Ton aus. Für die tiefen Töne sind bei der E-Gitarre die dickeren Saiten E, A und D zuständig. Neben der dicken E-Saite gibt es eine zweite, dünne E-Saite. Sie repräsentiert den höchsten Ton und hat auch die geringste Saitenstärke.
E-Gitarrensaiten aus Metall
Um in einer Wechselwirkung mit den elektromagnetischen Tonabnehmern der E-Gitarre interagieren zu können, müssen E-Gitarren-Saiten metallisch sein. In der Regel werden sie aus Stahl, Nickel und Kombinationen beider Metalle hergestellt. Die drei dickeren, tiefen Saiten (E, A, D) haben einen Stahldrahtkern, der mit feineren Metalldrähten umwickelt ist, während die dünneren, hohen Saiten (G, B, E) nicht umwickelt sind, sondern aus einfachem glatten bzw. blanken Draht bestehen.
Wissen kompakt Welche E-Gitarrensaiten sind die besten?
Die besten E-Gitarrensaiten gibt es nicht - entscheidend sind deine persönlichen Vorlieben und dein Einsatzbereich. Klang, Spielgefühl und Haltbarkeit werden unter anderem von Material, Saitenstärke und Bauart beeinflusst. Während manche Gitarristen den brillanten Klang unbeschichteter Saiten bevorzugen, schätzen andere die lange Lebensdauer beschichteter Modelle. Auch Musikstil, Spieltechnik und Gitarrenmodell spielen bei der Auswahl eine wichtige Rolle. Wer verschiedene Saitensätze ausprobiert, findet meist schnell heraus, welche Kombination am besten zum eigenen Instrument und den persönlichen Ansprüchen passt.
Umwickelte Saiten
Würde man für die dicken Basssaiten - wie bei den dünnen Saiten der Fall - einfachen Draht ohne Umwicklung (plain) nehmen, müsste dieser pure, nicht umwickelte Draht relativ dick sein, um den gewünschten tiefen Ton zu realisieren. Damit wäre das Material bzw. die dicke Saite aber ziemlich unflexibel. Die Umwicklung mit dünnerem Draht (wound) führt zur benötigten Masse (Dicke) der Saite, gleichzeitig bleibt die Saite in ihrem Verhalten flexibel.
Man unterscheidet, je nach spezifischem Aufbau, verschiedene Typen umwickelter Saiten. Sowohl der Kern als auch die Umwicklung einer Saite kommen in unterschiedlichen Varianten vor.
Kern
| round core | hex core | |
|---|---|---|
| Beschaffenheit | runder Querschnitt | sechseckiger Querschnitt |
| Vorteil | besseres Schwingungsverhalten als mit hex core | Es werden keine Hilfsstoffe benötigt, um die Umwicklung auf dem Kern zu fixieren. Die Kanten des sechseckigen Querschnitts sorgen für ausreichenden, rutschfesten Halt des umgebenden Wickeldrahtes. Die Saite ist stimmstabiler als eine round-core-Saite. |
| Nachteil | Der umgebende Wickeldraht muss mithilfe von Klebstoff am Kerndraht befestigt werden, da die runde Oberfläche ohne Hilfsmittel nicht genügend Halt bieten und die Umwicklung verrutschen würde. | fühlt sich etwas steifer an als round core |
Umwicklung
| Round Wound | Ground Wound/Half Wound | Flat Wound | |
|---|---|---|---|
| Beschaffenheit | runder Wickeldraht | halbrunder Wickeldraht (runder Wickeldraht, der nach Fertigstellung der Umwicklung angeschliffen wird) | flacher Wickeldraht |
| Besonderheiten Klang | obertonreich | Mittelweg aus Round und Flat Wound | warmer, weicher Klang mit weniger Obertönen und geringen Griffgeräuschen durch die glatte Bandwicklung |
| Vorteil | sehr biegsam und flexibel | Greifgeräusche werden im Vergleich zu Round Wound deutlich vermindert | glatte Oberfläche, Griffbrett wird am ehesten geschont, sehr stabile Saite, Greifgeräusche werden minimiert, lange Lebensdauer |
| Nachteil | raue Oberfläche, anfälliger für Schmutzablagerungen als die beiden anderen Umwicklungen | nicht so brillant wie Round Wound | Fester, nicht so biegsam, geringere Flexibilität als bspw. eine round wound-Saite, mehr Kraftaufwand beim Bespielen nötig, teurer als andere Varianten, gewöhnungsbedürftiges Spielgefühl |
E-Gitarrensaiten: Stärke
Die Maßeinheit Inch
Die Stärke von Gitarrensaiten wird nicht in Millimetern, sondern in der englischen Maßeinheit Inch angegeben. Die Angabe .009 bedeutet zum Beispiel, dass diese Saite einen Durchmesser von 0,009 Inch hat.
Möchte man diesen Wert in Millimeter umrechnen, multipliziert man einfach mit 25,4 (1 Inch entspricht 25,4 Millimetern): 0,009 x 25,4 = 0,2286. Eine Saite mit der Angabe .009 hat also einen Durchmesser von 0,2286 mm.
Wissen kompakt Gauge
Die Saitenstärke (englisch: Gauge) bezeichnet den Durchmesser einer Gitarrensaite und wird in Zoll angegeben. Ein Saitensatz wird üblicherweise nach der Stärke der dünnsten Saite benannt, zum Beispiel als 9er- oder 10er-Satz.
Angaben zu Saitenstärken bei Saitensätzen von Ernie Ball, D'Addario, Elixir, Shaman, Gibson u. a.
Gitarrensaiten werden üblicherweise in ganzen Sätzen zu je sechs Saiten (E, A, D, G, B, E) verkauft. Entweder sind dann auf der Packung die einzelnen Saitenstärken jeder Saite angegeben oder aber auch nur von-bis-Werte.
Ein Saitensatz mit der Angabe ".010 - .046" enthält sechs Saiten, wobei die dünnste Saite (= hohe E-Saite) einen Durchmesser von 0,010 Inch (= 0,254 mm) und die dickste Saite des Satzes (= tiefe E-Saite) einen Durchmesser von 0,046 Inch (= 1,1684 mm) hat.
Ist in irgendeinem Zusammenhang nur von einem Wert die Rede (Aussagen wie: "Sehr oft benutzen Jazzer .012" oder "Ich habe auf meiner E-Gitarre 10er drauf."), so ist immer die dünnste Saite des gesamten Satzes gemeint.
Konkrete Zahlenwerte vs. Pauschalangaben
Im Zusammenhang mit verschiedenen Stärken von Gitarrensaiten ist neben der oben erläuterten Angabe konkreter Durchmesser oft auch von Bezeichnungen wie "light", "super light", "regular" usw. die Rede. Diese Angaben variieren aber von Hersteller zu Hersteller, sind also nicht über feste Durchmesserwerte definiert. Zuverlässiger Anhaltspunkt sind deswegen nicht die eher schwammigen Pauschalangaben, sondern immer die konkreten Zahlenwerte. Stahlsaiten können - ganz im Gegensatz zu Nylonsaiten - nämlich äußerst präzise (auf hundertstel Millimeter genau) hergestellt werden.
Gute Saiten für Einsteiger an der E-Gitarre: Standardstärke .009
Nicht nur innerhalb eines zusammengehörenden Saitensatzes haben die einzelnen Saiten unterschiedliche Stärken, sondern auch die Sätze selbst gibt es in stärkeren/dickeren und leichteren/dünneren Ausführungen. Anfängern fällt es meist leichter, zunächst etwas dünnere Saiten zu bespielen. Für viele Einsteiger sind .009-Saitensätze ideal, da sie sich leicht spielen lassen und aufgrund ihrer geringeren Saitenspannung weniger Kraft in der Greif-Hand erfordern. Die meisten E-Gitarren sind mit dieser Stärke standardmäßig ab Werk bestückt.
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Wer mit seinem Saitensatz auf eine andere Stärke wechseln möchte - beispielsweise von .009 auf .010 -, muss mit dem Saitenwechsel unter Umständen auch eine Nachjustierung der Halskrümmung und der Saitenlage vornehmen, da dickere Saiten eine stärkere Spannung als dünnere Saiten benötigen (und sich damit auch die Zugkraft der Saiten auf den Saitenhals verändern kann). Welche Saitenstärke die richtige ist, hängt immer auch vom Instrument ab. Denn selbst bei gleicher Saitenstärke beeinflusst die Mensur, wie straff oder weich sich die Saiten anfühlen. Weitere Infos, speziell zu diesem Thema, gibt es in unserem Ratgeber Gitarre & Bass einstellen.
Von Blues bis Metal: Welche Saitenstärke passt zu deinem Stil?
Die Wahl der richtigen E-Gitarren-Saiten hängt vom Spielstil ab und beeinflusst sowohl Klang als auch Spielgefühl. Für Rock sind .010-.046-Sätze ein vielseitiger Standard: druckvoll, ausgewogen und gut für Rhythmus wie Soli geeignet. Blues-Spieler greifen häufig ebenfalls zu 10er-Saiten, da sie warme Töne, kräftige Bendings und ein direktes Spielgefühl bieten. Für Metal und tiefe Tunings empfehlen sich stärkere Sätze wie .010-.052 oder .011-.054, weil sie auch bei Drop-D- oder tieferen Stimmungen straff bleiben und für einen definierten, druckvollen Sound sorgen. Im Jazz kommen oft dickere Saiten ab .011 zum Einsatz, gerne als Flatwound-Version, die besonders weich, rund und nebengeräuscharm klingt und bei Jazzgitarristen beliebt ist. Wer leichte Bendings und ein besonders komfortables Spielgefühl bevorzugt, ist mit .009-.042 gut beraten - vor allem bei Standardstimmung und modernen Rock- oder Pop-Sounds. Die endgültige Wahl hängt aber immer auch vom persönlichen Geschmack ab.
Wissen kompakt Was ist Drop D?
Drop D ist eine Gitarrenstimmung, bei der nur die tiefste Saite um einen Ganzton von E auf D heruntergestimmt wird. Dadurch lassen sich kraftvolle Powerchords mit nur einem Finger greifen und tiefe, druckvolle Riffs spielen. Drop D wird besonders häufig in Rock, Metal, Grunge und Alternative eingesetzt, eignet sich aber auch für moderne Blues- und Akustikmusik.
Beschichtete oder unbeschichtete Saiten?
Beschichtete Saiten besitzen eine hauchdünne Schutzschicht, die sie vor Schweiß, Schmutz und Korrosion bewahrt und ihre Haltbarkeit erhöht. Dadurch bleiben sie oft deutlich länger frisch und behalten ihren Klang über einen längeren Zeitraum.Nickelsaiten stehen meist für einen warmen Klang und ein weicheres Spielgefühl. Stainless Steel liefert helle Töne, ist korrosionsbeständig und bringt mehr Lautstärke sowie Höhen als Nickel. Nickelbeschichtete Stahlsaiten gelten bei vielen Marken als Industriestandard, weil sie Klang, Lautstärke und Spielkomfort ausgewogen verbinden. Ernie Ball und D'Addario zählen zu den führenden Herstellern.
Unbeschichtete Saiten bieten dagegen ein besonders direktes Spielgefühl und werden von vielen Gitarristen für ihre natürliche Ansprache und ihren brillanten Klang geschätzt. Welche Variante die richtige ist, hängt von Deinen Vorlieben ab: Wer möglichst lange Freude an seinen Saiten haben möchte oder viel spielt, greift häufig zu beschichteten Modellen. Wer das klassische Spielgefühl bevorzugt und seine Saiten regelmäßig wechselt, ist mit unbeschichteten Saiten bestens bedient.
jetzt bei Kirstein beschichtete E-Gitarren-Saiten finden!Saitenwechsel
Die Saiten sollten spätestens dann ausgetauscht werden, wenn die hohen Saiten (G, B, E) sich dunkel verfärben und sich etwas rau anfühlen, denn diese Abnutzungserscheinungen deuten nicht nur darauf hin, dass bald eine oder mehrere Saiten reißen könnten, sondern wirken sich auch auf den Klang aus. Ein Satz neuer E-Gitarrensaiten kann die Spielqualität und Klangfarbe deutlich verbessern. Je älter die Saiten sind, desto stumpfer wird im Laufe der Zeit auch ihr Klang. Ausgetauscht werden sollte dann - auch für den Fall, dass nur eine Saite reißt, meistens ist das die hohe E-Saite - idealerweise gleich der komplette Saitensatz.
Gitarristen, die täglich zum Instrument greifen, also sehr viel spielen, wechseln ihre Saiten ungefähr ein Mal im Monat. Wechselt man die Saiten, wählt man normalerweise dieselbe Saitenstärke, mit der die Gitarre auch vorher schon bespannt war. Fällt die Entscheidung auf eine davon abweichende Saitenstärke, ist es unbedingt notwendig, die Einstellungen des Halses und der Saitenlage zu überprüfen und gegebenenfalls neu anzupassen.
Tipp Wie ziehe ich neue Saiten auf und was gibt es sonst noch zu beachten?
Ausführliche Informationen zum Thema Saitenwechsel gibt's in unserem Ratgeber Gitarrensaiten wechseln.