Wie pflege und reinige ich meine Trompete, meine Tuba, mein Waldhorn, mein Euphonium, mein Flügelhorn, mein Kornett, meine Posaune oder ein anderes Blechblasinstrument? Foto: pixabay.

Pflegeratgeber Blechblasinstrumente

Bei der Pflege von Blechblasinstrumenten sind einerseits die verwendeten Materialien (Messing, Goldmessing, Neusilber, Phosphorbronze, Edelstahl) und jeweiligen Oberflächenveredelungen (lackiert, unlackiert, versilbert, vergoldet) relevant.

Andererseits spielen auch unterschiedliche Konstruktionsformen von Einzelteilen bei der Pflege eine Rolle. So bedarf ein Drehventil beispielsweise einer anderen Pflege als ein Pumpventil.

In unserem Pflegeratgeber Blechblasinstrumente geben wir einen Überblick über die gängigsten Reinigungs- und Pflege-Prozeduren bei Blechblasinstrumenten und gehen in unseren Tipps und Beschreibungen auch auf Sonderfälle und interessantes Hintergrundwissen ein.

1. Die relevantesten Bauteile eines Blechblasinstrumentes

So verschieden Trompete, Posaune, Tuba, Tenorhorn, Flügelhorn, Kornett, Waldhorn, Bariton und Euphonium im Einzelnen auch sein mögen – grundlegende Bauteile sind in all diesen Instrumenten doch immer wiederzufinden. Natürlich variieren die Einzelelemente hinsichtlich ihrer Ausprägungen und Details, wenn es aber um die Pflege und Reinigung von Blechblasinstrumenten geht, kann man doch immer verallgemeinernd von dem Schallbecher, dem Zug, dem Pumpventil oder dem Drehventil reden. – Was ist also was bei einem Blechblasinstrument?

Beispiel 1: Trompete mit Pumpventilen

Für die Pflege relevante Bauteile einer Trompete.

Beispiel 2: Tuba mit Drehventilen

Für die Pflege relevante Bauteile einer Trompete.

2. Materialien

Die unterschiedlichen Materialien, aus denen ein Blechblasinstrument und seine Einzelbestandteile gefertigt werden können, haben unterschiedliche Eigenschaften, die sich auch auf die Pflegeansprüche eines Instruments auswirken. Hier eine kleine Übersicht der gängigsten Materialien:

Messing

Messing ist eine Legierung aus den Hauptbestandteilen Kupfer und Zink. Dabei hat Kupfer den weitaus höheren Anteil (um die 70%) und Zink wird in kleinerer Menge beigemischt (um die 30%). Je geringer der Zinkanteil und je höher der Kupferanteil der Legierung, desto rötlicher wirkt die Farbe des resultierenden Messings, da Kupfer als Grundstoff eine tiefe rot-braune Färbung besitzt. Ist der Zinkanteil höher (36% und mehr), hat das Messing hingegen eine hellgelbe bis weißgelbe Farbe.

Messing zeichnet sich dadurch aus, dass es härter als Kupfer ist. Die Härte von Messing nimmt also mit höherem Zinkanteil – bis zu einer gewissen Grenze – zunächst einmal zu. Wenn der Zinkanteil allerding zu hoch ist, wird das Messing spröde. Gleichzeitig sind Legierungen mit einem höheren Zinkanteil anfälliger für Korrosion und damit den sogenannten Zinkfraß.

Goldmessing

Goldmessing ist eine Messingsorte, die einen Kupferanteil von mindestens 85% hat. Durch den geringeren Zinkanteil ist das Material weniger anfällig für Korrosion und Zinkfraß. Gleichzeitig wird Instrumenten aus Goldmessing aufgrund des hohen Kupferanteils ein besonders weicher, warmer, voller Klang nachgesagt.

Die Cerveny-Trompete CTR701R hat einen Becherkranz aus Neusilber, der die Stabilität des Goldmessing-Schallbechers erhöht.
Die Cerveny-Trompete CTR701R hat einen Becherkranz aus Neusilber, der die Stabilität des Goldmessing-Schallbechers erhöht.

Neusilber

Neusilber (manchmal auch Alpaka genannt) ist eine Legierung aus Kupfer (47-64%), Zink (15-42%) und Nickel (10-25%). Das Material ist silberfarben und vereint die Eigenschaften einer hohen Festigkeit sowie guten Korrosionsbeständigkeit. Neusilber wird häufig für Trompeten-Züge und Ventilgehäuse verwendet. Auch für Becherkränze und Mundrohre eignet sich Neusilber gut. Das Material ist unter gleichen Bedingungen vergleichsweise langlebiger als Goldmessing und Messing.

Phosphorbronze

Phosphorbronze setzt sich aus einem hohen Kupferanteil (Bronzelegierungen enthalten grundsätzlich mindestens 60% Kupfer) und dem Hauptlegierungszusatz Zinn (max. 7-9%) sowie um die 0,5% Phosphor zusammen. Mit einem Anteil von maximal 9% Zinn gehört Phosphorbronze zu den sogenannten Knetlegierungen, das heißt, dass das Material während der weiteren Verarbeitung im Gegensatz zu Gusslegierungen noch geformt werden kann – zum Beispiel zu Blechstreifen. Bei Blechblasinstrumenten wird Phosphorbronze für die Herstellung von Schallstücken oder Mundrohren verwendet.

Edelstahl

Stahl ist eine metallische Legierung mit dem Hauptbestandteil Eisen, wobei Edelstahl einen besonderen Reinheitsgrad (zum Beispiel sehr geringer Schwefel- oder Phosphorgehalt) aufweist. Es gibt sehr viele unterschiedliche Edelstähle, deren spezifische Zusammensetzung präzise definiert bzw. genormt ist. "Edelstahl" ist lediglich der Überbegriff. Die meisten Edelstähle sind rostfrei, korrosionsbeständig und damit sehr langlebig und werden besonders gerne für Ventile von Blechblasinstrumenten verwendet.

Messing Goldmessing Neusilber Phosphorbronze Edelstahl
Legierung Kupfer, Zink Kupfer, Zink Kupfer, Zink, Nickel Kupfer, Zinn, Phosphor Hauptbestandteil Eisen
Farbe gelblich rötlich silberfarben rötlich bis bräunlich silberfarben
Härte härter weicher sehr hart hohe Dichte und Festigkeit sehr hart
Anfälligkeit für Zinkfraß höher durch höheren Zinkanteil (30%) niedriger durch geringeren Zinkanteil (15%) niedriger durch geringeren Zinkanteil (15%) sehr niedrig, da normalerweise kein oder nur sehr wenig Zink enthalten ist -
Langlebigkeit weniger langlebig als Goldmessing und Neusilber langlebiger als Messing langlebiger als Goldmessing allgemein hohe Verschleiß- und Korrosionsbeständigkeit extrem langlebig
Klang eher heller besonders weich und warm besonders strahlend besonders kräftig -
Verwendung für Schallstück
Mundrohr
Züge
Ventilgehäuse
Schallstück
Mundrohr
Schallstück
Mundrohr
Züge
Ventilgehäuse/Ventile
Becherkranz
Schallstück
Mundrohr
Ventile
Mundstück
Das Schallstück dieses Lechgold-Flügelhorns ist aus Phosphorbronze gefertigt, während das Mundrohr und die Ventilgehäuse aus Messing bestehen.

Das Schallstück dieses Lechgold-Flügelhorns ist aus Phosphorbronze gefertigt, während das Mundrohr und die Ventilgehäuse aus Messing bestehen.

Kunststoff

Als Alternative zu den herkömmlichen Materialien gibt es auch Trompeten, Posaunen und sogar Tuben aus unempfindlichem ABS-Kunststoff. Genauer heißt das, dass der Instrumentenkorpus bei diesen Instrumenten aus Kunststoff hergestellt wird, während die Ventile und Ventilbüchsen in der Regel wie gewohnt aus Metall (zum Beispiel Monel-Ventile oder Messing-Ventilgehäuse) bestehen.

Der Vorteil solcher aus Kunststoff gefertigter Blechblasinstrumente liegt ganz klar im geringen Gewicht einerseits und reduzierten Pflegeaufwand andererseits, denn das Material ist natürlich viel unempfindlicher als beispielsweise Messing. Gleichzeitig sind Blechblasinstrumente aus Kunststoff auch verhältnismäßig günstig zu haben. Plastik-Trompete & Co. eignen sich damit prima für Faschingsumzüge, Events mit Fun-Charakter oder den Urlaub. Als konzertane Instrumente sind sie den herkömmlichen Blechblasinstrumenten aber klangmäßig dann in letzter Instanz doch unterlegen.

3. Oberflächenveredelungen

Manche Musiker schätzen – aus optischen oder klanglichen Gründen – gerade Blechblasinstrumente ohne Oberflächenveredelung, aber die meisten Bläser entscheiden sich doch für ein Instrument, dessen Oberfläche mit Klar-, Gold- oder Farblack überzogen oder versilbert respektive vergoldet ist. Hier einige Fakten zum Thema Oberflächenveredelung:

  • Schutz
    Eine Oberflächenveredelung bringt ein Blasinstrument nicht nur zum Strahlen, sondern schützt es auch vor Korrosion und sorgt damit für eine erhöhte Langlebigkeit des Korpusmaterials.
  • "Grüne Finger"
    Unbehandelte Oberflächen laufen schnell an (Patina bei kupferhaltigen Materialien wie Messing) und sorgen beim Spielen bzw. Halten für die berühmten "grünen Finger".
  • Resistenz
    Versilberungen und Vergoldungen sind sehr robuste Oberflächenveredelungen und hochresistent gegen äußere Einflüsse wie Handschweiß oder Speichel. Die Vergoldung ist die kostenintensivste Variante der gängigen Oberflächenveredelungen.
  • Klang
    Seine klanglichen Vorlieben kann man auch durch die Wahl der Oberflächenveredelung etwas fokussieren, wobei hier vor allem Gewicht und Härte des Materials eine Rolle spielen. Lack ist relativ weich und schwer, sodass der Ton voller und die Ansprache zentrierter ist. Bei unlackierten Instrumenten ergibt sich ein offenerer Klang mit einer leichteren Ansprache. Versilberungen machen den Klang etwas kerniger, Vergoldungen wirken sich auf den Klang ähnlich aus wie unlackierte Oberflächen.
  • Handhabung
    Veredelte Instrumente sind leichter sauber zu halten als Instrumente mit unbehandelten Oberflächen.
Es gibt spezielle Lackpolituren, die für alle lackierten Blasinstrumente geeignet sind.
"Lacquer Polish" von La Tromba ist eine spezielle Lackpolitur, die für alle lackierten Blasinstrumente geeignet ist.

4. Reinigung und Pflege der Instrumentenoberfläche

Lackierte Oberflächen

Grundsätzlich empfiehlt es sich, lackierte Blechblasinstrumente nach dem Spielen mit einem weichen Tuch abzuwischen, um Rückstände wie Handschweiß zu entfernen und damit den Lack zu schützen. Darüber hinaus gibt es spezielle Lackpolituren (zum Beispiel "Lacquer Polish" von La Tromba), mit denen das Instrument wieder auf Hochglanz gebracht und gleichzeitig mit einem Schutzfilm versehen werden kann. Diese werden einfach aufgesprüht bzw. aufgetragen und mit einem weichen Tuch nachpoliert.

Unlackierte Oberflächen

Auch für unlackierte Blechblasinstrumente gibt es spezielle Polituren, zum Beispiel Metallpasten wie "Unipol", die sowohl für Messing, Kupfer, Chrom, Aluminium als auch Silber geeignet sind und mit einem feuchten Lappen auf der Instrumentenoberfläche aufgetragen werden. Nachpoliert wird dann ebenfalls wieder – wie auch bei den lackierten Instrumenten – mit einem trockenen, weichen Tuch.

Unipol ist ein beliebtes Pflegemittel für unlackierte Messinginstrumente.

Silberputztücher stellen den Glanz versilberter Oberflächen wieder her und schützen das Silber gleichzeitig vor erneutem Anlaufen.
Silberputztücher stellen den Glanz versilberter Oberflächen wieder her und schützen das Silber gleichzeitig vor erneutem Anlaufen.

Versilberte Oberflächen

Versilberte Blasinstrumente wischt man, wie lackierte Instrumente, nach dem Spielen mit einem weichen Tuch trocken ab. Ist die versilberte Oberfläche angelaufen, hilft ein Silberputztuch (zum Beispiel "Hagerty Silver Duster"). Silberschutzstreifen bieten, wenn man sie mit in den Instrumentenkoffer legt, bis zu einem halben Jahr Anlaufschutz, indem sie den Schwefelgehalt in der umgebenden Luft neutralisieren.

Vergoldete Oberflächen

Auch für die Pflege vergoldeter Instrumentenoberflächen gibt es spezielle Goldpolituren und Goldputztücher.

5. Innenreinigung von Blechblasinstrumenten

Die Innenreinigung erfolgt bei lackierten, unlackierten, versilberten und vergoldeten Blasinstrumenten auf die gleiche Art und Weise. Sie verhindert unangenehme Gerüche und sorgt für den Erhalt einer optimalen Spielqualität.

Eine komplette Innenreinigung sollte bei Blechblasinstrumenten, die regelmäßig in Benutzung sind, etwa zwei- bis viermal im Jahr erfolgen. Hierfür wird das Instrument in seine Einzelbestandteile zerlegt, bspw. in einer Wanne mit lauwarmem Wasser (Achtung! Kein heißes Wasser verwenden! Das schadet der Lackierung!) mit ein wenig Spülmittel eingeweicht, gereinigt und anschließend gut durchgespült. Bevor das Blasinstrument nach ausgiebigem Trocknen wieder zusammengebaut wird, müssen natürlich alle relevanten Teile wieder neu eingefettet bzw. geölt werden.

Um Schmutz, der sich im Innern des Instruments festgesetzt hat, effektiv auf den Leib rücken zu können, gibt es spezielle Reinigungsbürsten und -spiralen für Stimmzüge, Ventilzylinder, Rohre usw. Diese Bürsten gibt es – je nach Instrument – in unterschiedlichen Ausführungen und Größen.

Wer sich nicht traut, sein Instrument in die Einzelbestandteile zu zerlegen und wieder zusammenzubauen, kann es auch bei einer Fachwerkstatt abgeben, um es reinigen zu lassen.

Es gibt praktische Komplett-Reinigungssets, in denen unterschiedliche Bürsten, Lappen und Fette bzw. Öle enthalten sind. Das hier abgebildete Set ist für Trompeten, Flügelhörner und Kornetts geeignet.

Es gibt praktische Komplett-Reinigungssets, in denen unterschiedliche Bürsten, Lappen und Fette bzw. Öle enthalten sind. Das hier abgebildete Set von Classic Cantabile ist für Trompeten, Flügelhörner und Kornetts geeignet.

Reinigung von Blechblasinstrumenten in unserer Bläserwerkstatt

Wer sein Blechblasinstrument vom Profi reinigen und vielleicht auch reparieren bzw. überholen lassen möchte, kann dies in unserer Bläserwerkstatt erledigen lassen.

Die nachfolgenden Linktipps geben einige praktische Einblicke in die Arbeitsbereiche unseres Metallblasinstrumentenmachers.

Kirstein-Bläserwerkstatt: Reparaturen, Umbauten, Wartung, Reinigung

Schallbecher eines Blechblasinstrumentes

"Foto-Love-Story": Frühjahrsputz my Tuba!

Fingerring einer Tuba

Videoanleitung - Kapitel "Grundreinigung":

Tubabad zur Innenreinigung
Nach der Innenreinigung muss die Tuba gut trocknen.
Mit einem speziellen Schlauch kann das Innere des Blasinstrumentes noch effektiver gereinigt werden.

Eine Tuba kann zu Hause relativ gut in der Badewanne gereinigt werden. Nach der Reinigung folgt ausgiebiges Trocknen. Um auch schwer zugängliche Stellen besser zu erreichen, gibt es im Fachhandel spezielle Reinigungssysteme (zum Beispiel "Meinlschmidt Hydro-Jet S1"), die auf handelsübliche Dusch-/Badewannenschläuche aufmontiert werden können und dank eines Düsensystems eine besonders effektive Innenreinigung ermöglichen.

6. Reinigung und Pflege der Stimm- und Ventilzüge

Etwas häufiger als die umfassende Innenreinigung des gesamten Instrumentenkorpus sollten die Reinigung und das Einfetten der Stimm- und Ventilzüge erfolgen. Um die Züge ganz herauszuziehen, wird immer das zugehörige Ventil heruntergedrückt. Anschließend wischt man zunächst das alte Fett mit einem trockenen Lappen oder Küchenpapier ab. Das Innenleben der Züge kann man mit warmem Wasser und einer Reinigungsbürste oder -spirale auf Vordermann bringen. Wenn der Zug wieder trocken ist, wird einfach etwas Zugfett mit den Fingern aufgetragen und verteilt, bevor man den Zug wieder einsetzt. Anstelle eines speziellen Zugfettes kann man auch Korkfett verwenden.

Das regelmäßige Einfetten (und Bewegen! – gerade auch, wenn das Instrument für längere Zeit nicht gespielt wird!) der Züge ist wichtig, damit sie einerseits gut gleiten, sich also nicht festsetzen, und andererseits gut abdichten. Wenn man den Zug wieder einsetzt, macht man das mit leicht drehenden Bewegungen (siehe auch Video), damit sich das Fett überall gut verteilt – auch im Innern des Aufnahmerohrs.

Videoanleitung - Kapitel "Züge fetten":

7. Reinigung und Pflege des Mundstücks

Sein Mundstück kann man – unabhängig vom Material oder der Oberflächenveredelung – ganz einfach mit lauwarmem, fließendem Wasser und einer kleinen Mundstückbürste reinigen. Die Reinigung ist etwa alle zwei Wochen sinnvoll und ruck, zuck erledigt.

Daneben gibt es spezielle Mundstückreiniger/Pumpsprays (zum Beispiel "Roche Thomas MI-T-MIST"), die neben der reinigenden auch eine desinfizierende Wirkung haben, was beispielsweise sehr praktisch ist, wenn das Mundstück bei Proben o. Ä. öfter mal den Besitzer wechselt. Mit Hilfe solcher Reinigungsprodukte lassen sich bei einer gewissen Einwirkzeit auch etwas hartnäckigere Ablagerungen im Innern des Mundstücks entfernen.

Bläserwerkstätten bieten darüber hinaus auch eine Intensivreinigung von Mundstücken an und oberholen Mundstücke bei Bedarf (z. B. Neubeschichtung) natürlich auch.

Perinetventile bedürfen einer anderen Pflege als Zylinderventile. Foto: pixabay.

8. Reinigung und Pflege der Ventile

Pumpventile

Damit die Pumpventile gut laufen, sollten sie regelmäßig (alle paar Tage) geölt werden. Oder andersherum ausgedrückt: Klemmt ein Pumpventil, ist es wahrscheinlich zu wenig geölt worden. Die Reinigung der Ventilhülsen erfolgt normalerweise, wenn eine Grundreinigung/Innenreinigung des Instruments ansteht (alle paar Monate). Die Ventilgehäuse können dann mit einem Reinigungsstab, um den ein Tuch gewickelt wird, gesäubert werden. So vermeidet man Kratzer in den Ventilhülsen.

Es gibt spezielle Öle für Pumpventile, die sich – innerhalb ihrer Marke – in aller Regel noch nach Viskosität unterscheiden.

Es gibt spezielle Öle für Pumpventile, die sich – innerhalb ihrer Marke – in aller Regel noch nach Viskosität unterscheiden. So ist beispielsweise das "La Tromba T1" ein dickflüssigeres Öl, das sich als Allrounder, aber auch für ältere Ventile mit einem größeren Ventilspiel, eignet, während das "La Tromba T2" schon ziemlich dünnflüssig und damit für Ventile mit geringem bis durchschnittlichem Spiel geeignet ist. Genau andersherum ist es bei der Marke Hetman. Das "Hetman Nr. 1" ist (ganz im Gegensatz zum "La Tromba T1"!) sehr dünnflüssig, also für neue Ventile mit kleinem Ventilspiel geeignet, das "Hetman Nr. 2" ein Öl mit einer Durchschnittsviskosität, das ein breites Spektrum abdeckt und "Hetman Nr. 3" wiederum relativ dickflüssig und optimal für Ventile mit größerem Spiel. Angaben zur jeweiligen Viskosität finden sich als Entscheidungshilfe immer in den Produktbeschreibungen der Artikel!

Um ein Pumpventil zu ölen, wird zunächst der obere Deckel der Ventilhülse gelöst und das Ventil vorsichtig herausgezogen. Beim Herausziehen und Einsetzen sollten die Ventile nicht in den Ventilhülsen gedreht werden, da sie sonst beschädigt werden könnten. Nachdem von allen Seiten etwas Öl aufgetragen wurde, wird das Ventil wieder eingesetzt (ein leichtes Klacken signalisiert, dass das Ventil richtig in seiner Ventilführung sitzt und eingerastet ist) und der Verschluss festgedreht. Damit das Öl sich im Inneren schön gleichmäßig verteilen kann, wird das Ventil jetzt noch einige Male gedrückt. Fertig.

Videoanleitung - Kapitel "Pflege der Ventile":

Drehventile

Drehventile sind komplizierter als Pumpventile aufgebaut. Bei der Reinigung bzw. Pflege von Drehventilen beschränkt man sich als Laie darauf, den Ventildeckel auf der Ventilrückseite abzuschrauben (von Hand, es wird hier kein Werkzeug gebraucht), um einen Tropfen Öl auf die Ventilachse zu geben, aber abgesehen davon lässt man das Drehventil insofern "in Ruhe", dass man keine weiteren Teile auseinanderbaut. Wie die Drehventile eines Instrumentes geölt werden, zeigt das folgende Video am Beispiel eines Waldhorns:

Sollte es einmal nötig werden, dass die Drehventile genauer unter die Lupe genommen und zerlegt werden müssen (zum Beispiel aufgrund von Verschmutzungen), sollte man dies in der Regel einer Fachwerkstatt überlassen.

Drehventile müssen nicht so häufig geölt werden wie Pumpventile. Es reicht aus, die Drehventile alle paar Wochen zu ölen bzw. dann, wenn man merkt, dass die Ventile einfach schlechter laufen. Grundsätzlich kann man sagen: je häufiger das Instrument gespielt wird, desto seltener ist es notwendig, die Drehventile zu ölen.

Um die Ventile im Innern zu ölen (siehe Video oben), benötigt man unbedingt ein dünnflüssigeres Öl (Rotoröl) als für das Ölen der Lager und Gelenke. So ist beispielsweise das dünnflüssige Rotoröl "Hetman Nr. 11" für Instrumente mit noch sehr dichten Zylinderventilen (noch kein gebrauchsbedingter Verschleiß) und eben für das Innere eines Dreh- bzw. Zylinderventils geeignet, während das etwas dickflüssigere "Hetman Nr. 13,5" für Zylinderlager und -gelenke (äußere zu ölende Bereiche) mit durchschnittlich großem Spiel gedacht ist.

Das Hetman Nr. 11 ist ein spezielles, dünnflüssiges Rotoröl, das für die Anwendung im Innenleben eines Drehventils geeignet ist.

Das Hetman Nr. 11 ist ein spezielles, dünnflüssiges Rotoröl, das für die Anwendung im Innenleben eines Drehventils geeignet ist.

Das Hetman Nr. 13,5 hat eine mittlere Viskosität und sollte nicht für das Innenleben, sondern nur für Außenanwendungen (Lager, Gelenke) benutzt werden.

Das Hetman Nr. 13,5 hat eine mittlere Viskosität und sollte nicht für das Innenleben, sondern nur für Außenanwendungen (Lager, Gelenke) benutzt werden.

Das Reka Rotary Achs-Öl ist für äußere Anwendungen an Drehventilen geeignet.

Das Reka Rotary Achs-Öl ist für äußere Anwendungen an Drehventilen geeignet.

Spezielles Posaunenfett oder Posaunenzugöl sorgt – regelmäßig auf dem Innenzug aufgetragen – für eine optimale Leichtgängigkeit des Spielzuges.
Spezielles Posaunenfett (zum Beispiel "Trombotine") oder Posaunenzugöl sorgt – regelmäßig auf dem Innenzug aufgetragen – für eine optimale Leichtgängigkeit des Spielzuges.

9. Sonderfall Posaune

Die Reinigungs- und Pflegehinweise, die wir für alle anderen Blechblasinstrumente bis hierher gegeben haben, gelten so auch für die Posaune. Eine Besonderheit stellt jedoch der Spielzug dar, über den die Posaune verfügt.

Damit ein leichtgängiges Spiel auf der Posaune möglich ist, muss der Zug regelmäßig geschmiert werden. Auf dem Innenzug wird spezielles Posaunenfett aufgetragen, das in Verbindung mit kleinsten Wasserperlen (Sprühnebel) dafür sorgt, dass Außen- und Innenzug der Posaune möglichst reibungsarm auf- bzw. ineinander gleiten. Um den langen Außenzug zu reinigen, gibt es besondere Posaunenwischer, die auf die Länge des Zuges abgestimmt sind und mit denen man unter Zuhilfenahme eines Tuches das Innere des Außenzuges quasi durchwischen kann.

10. Sonderfall Alphorn

Das Alphorn wird zwar aus Holz gefertigt, gehört aber aufgrund seiner Anblastechnik trotzdem zu den Blechblasinstrumenten. Um das imposante Instrument in einem optimalen Zustand zu erhalten, sollte man folgende Punkte beachten:

Tipps zur Pflege und Reinigung des Alphorns.
  • Klima
    Ein Alphorn sollte, da es aus Holz gefertigt ist, in einer angemessenen klimatischen Umgebung aufbewahrt werden. Feuchte Keller oder heiße, sehr trockene Umgebungen sind tabu.
  • Steckverbindungen
    Die Steckverbindungen eines Alphorns sollten regelmäßig mit Zug- oder Korkfett eingefettet werden.
  • Reinigung
    Der Korpus eines Alphorns – Alphörner verfügen in aller Regel über eine schützende Lackierung – kann bei Bedarf mit einem weichen, leicht feuchten Tuch gereinigt werden.
  • Feuchtigkeit
    Wie andere Blasinstrumente auch, reagiert das Alphorn empfindlich auf "Staunässe" im Innern. Alphörner sollten deshalb nach dem Spielen immer auseinandergenommen werden, damit die Feuchtigkeit entweicht und sie gut trocknen können.
  • Mundstück
    Auch das Holzmundstück sollte immer nur feucht abgewischt und danach gut getrocknet werden.

11. Glossar

Alpaka/Alpacca
geschütztes Warenzeichen = Neusilber

Brass
engl. für Messing bzw. Blechblasinstrumente

Gelbmessing
normales Messing; Zinkanteil um die 30%

Hartvergoldung
Die Goldschicht enthält Eisen, Kobalt oder Nickel. Dadurch ergibt sich eine höhere Härte der Veredelung.

Jazztrompete
i. d. R. wird darunter eine Trompete mit Pumpventilen verstanden

Konzerttrompete
i. d. R. wird darunter eine Trompete mit Drehventilen verstanden

Korrosion
Zersetzung eines Stoffes; siehe auch Oxidation

Legierung
Zusammenmischen verschiedener Metalle

Monel
geschützter Markenname; Legierung aus Nickel (ca. 65%), Kupfer (ca. 33%) und Eisen (ca. 2%); sehr resistent gegenüber Hautschweiß und sehr beständig gegenüber Korrosion; Material gilt als Vorläufer des rostfreien Stahls; findet häufig bei Trompetenventilen Verwendung.

Naturton
Naturtöne sind Töne, die auf Blasinstrumenten rein durch unterschiedliches Anblasen des Instrumentes bzw. unterschiedliche Lippenspannungen während des Anblasens erzeugt werden können, das heißt ohne Zuhilfenahme von Ventilen. Der tiefste Naturton, der auf einem Instrument erzeugt werden kann, wird Grundton genannt.

Oxidation
chemische Reaktion eines Stoffes/Materials mit Sauerstoff; die Oxidation von Metallen hat zum Beispiel das Rosten zur Folge.

Périnet-Ventil
Pumpventil; Francois Périnet stellte 1838 eine Ventilkonstruktion vor, die die Basis für das moderne Pumpventil bildete. Deshalb werden Pumpventile auch Périnet-Ventile genannt.

Rotoröl
Ein Rotor ist ein sich drehendes Teil einer Maschine. Auch Dreh- bzw. Zylinderventile haben solche Rotoren, weshalb Öle, die speziell für die Pflege von Drehventilen gedacht sind, Rotorenöle heißen. Der Begriff Rotor stammt vom lateinischen rotare = drehen ab.

Sondermessing
Messingsorten, die neben Kupfer und Zink noch andere Metalle wie Blei, Nickel oder Aluminium enthalten.

Stimmzug
Mit einem ausziehbaren Stimmzug wird ein Instrument gestimmt. Zieht man den Stimmzug aus, wird die Rohrlänge des Instruments verlängert und der Ton tiefer, bei Verkürzung der Rohrlänge wird der Ton höher.

Tombak
Messingsorten mit mindestens 67% Kupferanteil.

Ventil
Bei Blechblasinstrumenten sorgen Ventile dafür, dass Natur- bzw. Grundtöne um Halbtonschritte erweitert werden können. Wird ein Ventil betätigt, wird die Luft des Bläsers durch eine zusätzliche Verlängerung weitergeleitet, damit wird die Luftsäule verlängert und ein entsprechend tieferer Ton erzeugt. Es gibt auch sogenannte Verkürzungsventile, bei denen die Betätigung des Ventils für einen höheren Ton sorgt, weil die Luftsäule verkürzt wird. Allerdings sind die Ventile, die für eine längere Luftsäule und tiefere Töne sorgen, weitaus häufiger anzutreffen. Bei den Ventilen werden die Bauformen "Pumpventil" und "Drehventil" unterschieden.

Ventilzug
Bei Betätigung eines Ventils wird die Luft durch den zugehörigen Ventilzug umgeleitet, die Rohrlänge insgesamt dadurch verlängert und der resultierende Ton tiefer.

Zinkfraß
Zinkoxidation; Je höher der Anteil von Zink in einer Messinglegierung ist, desto höher ist die Gefahr von sogenanntem Zinkfraß. Er entsteht beispielsweise durch Speichelablagerungen, ganz grundsätzlich durch Feuchtigkeit, die das Material angreift. Zinkfraß zeigt sich durch Bläschen und/oder kleine, rote Punkte auf der Oberfläche von Messinginstrumenten. Der Begriff "Zinkfraß" rührt daher, dass bei diesem Vorgang der Zinkanteil einer Kupfer-Zink-Legierung (= Messing) aus der Legierung quasi nach und nach herausgezogen wird. Dass die befallenen Stellen eine auffällig rötliche Farbe haben, erklärt sich durch die rote Färbung des (verbleibenden) Kupferanteils der Legierung. Die regelmäßige Pflege des Blechblasinstrumentes – hierzu gehört es auch, auf eine gute Trocknung des Instrumentes zu achten – wirkt der Entstehung von Zinkfraß entgegen.

Zylinderventil
= Drehventil

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am: 25.06.2019, Autor: Jutta Kühl.

Quellen/Fotos:
aurubis-stolberg.com/deutsch/download/HPA_APB_0609_DE.pdf
blashaus.ch/themen/zinkfrass/
blechblaswerkstatt.de/index.php/tipps-a-tricks
chemie.de/lexikon/Messing.html
de.wikipedia.org/wiki/Bronze
de.wikipedia.org/wiki/Edelstahl
de.wikipedia.org/wiki/Korrosion
de.wikipedia.org/wiki/Messing
de.wikipedia.org/wiki/Monel
de.wikipedia.org/wiki/Neusilber
de.wikipedia.org/wiki/Posaune
de.wikipedia.org/wiki/Ventil_(Blasinstrument)
engelbert-schmid-horns.com/index.php/schallbecher
hetman-eu.com/pdf/Hetman_A4_Deutsch.pdf
jordan-limburg.de/oberflaechenveredelung.html
miraphone.de/care-and-maintenance
musik-traut.de/wartung-und-reparatur/blechblasinstrumente/
mueller-lack.com/files/mueller_lack/downloads/MZL_Bericht.pdf
netzathleten.de/gesundheit/aufgedeckt/item/2800-wasser-und-salz-woraus-besteht-schweiss
pixabay.com/de/trompete-musikinstrument-silber-598338/
pixabay.com/de/drehventile-tuba-ventile-stimmzug-7982/
pixabay.com/de/waldhorn-blasinstrument-1566587/
trompetenforum.de/
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