Tuba lernen: Welches ist das richtige Mundstück für mich?

Tuba lernen: Welches ist das richtige Mundstück für mich?

Weil es nie zu spät ist, ein neues Instrument zu erlernen und ich schon immer ein großer Tuba-Fan war (sie klingen aber einfach auch zu genial!), ist es jetzt tatsächlich soweit: Die ersten Naturtöne schallen – mal relativ treffsicher und voll, mal zittrig und „verreckt“ – seit einigen Tagen lautstark durch unser Haus. – Und angesichts dieses mächtigen Tonvolumens bin ich wirklich froh, dass mein Mann und ich erstens einsam und alleine am (schönen!) A**** der Welt wohnen und mein Gatte zweitens eine extrem hohe Toleranzgrenze für meine musikalischen Sperenzchen an den Tag zu legen pflegt …

Der Kumpel, der mir jetzt zu Hause die ersten Grundlagen und Töne beibringt, hat mir für den Anfang seine alte Tuba ausgeliehen – supernett und voll genial, denn eine Tuba gehört ja jetzt nicht gerade zu den billigsten Musikinstrumenten …!

Eines seiner Mundstücke hatte mein Bekannter bei unserem ersten Unterrichts-Date dann auch gleich für mich dabei, damit wir direkt loslegen konnten. – Wieder voll nett, aber für mich stand trotzdem sofort fest: Also wenigstens ein eigenes Mundstück sollte ich mir die Tage dann eigentlich doch mal selbst besorgen. Erstens liegt so ein Mundstück finanziell ja durchaus im Rahmen und außerdem hatte ich irgendwie im Hinterkopf, dass es vielleicht auch besser sein könnte, ein Mundstück zu verwenden, das speziell zu mir passt. – Oder?

Ein Tubamundstück ist die Verbindung zwischen dem Musiker und seinem Instrument.

 

Mein lieber Kollege Frank – unser Blechblasprofi im Musikhaus und selber passionierter Tubaspieler – hat sich meine Anfängerfragen in Ruhe angehört und mich geduldig aufgeklärt:

Frank, wenn man anfängt, Tuba zu lernen: Ist es wichtig, sich gleich ein Mundstück anzuschaffen, das speziell auf die eigene Person abgestimmt ist oder ist das am Anfang egal?

Frank: Man sollte schon bedenken, dass so ein Mundstück letztendlich die Verbindung zwischen dem Musiker und seinem Instrument ist und genau dort auch der Ton erzeugt wird. Somit hat das Mundstück – erst recht, wenn es individuell auf den Spieler abgestimmt ist – schon einen großen Einfluss. Am Anfang würde ich persönlich aber eigentlich einfach ein mittelgroßes Mundstück empfehlen.

„Am Anfang würde ich eigentlich immer
ein mittelgroßes Mundstück empfehlen.“

Spielt es bei der Auswahl des Mundstücks auch eine Rolle, um was für eine Tuba es sich handelt, also um was für eine Bauform?

Frank: Ja, die Tuba sollte bei der Auswahl schon beachtet werden. Hat man eine große Tuba wie die Melton Fafner oder die Lechgold BT14/5 mit einer großen Bohrung, empfiehlt sich ein etwas kleineres Mundstück. Ist die Tuba dagegen sehr schlank mit einer kleineren Bohrung (< 19,5 mm), sollte das Mundstück ruhig etwas größer sein.

Warum richtet sich die Größe des Mundstücks auch nach der Größe der Tuba?

Frank: Die Bohrung der Tuba ist ein Indiz dafür, wie viel Luft durch das Instrument „durchwandert“. Bei einer großen Bohrung ist die Luftmenge größer. Verwendet man nun ein etwas kleineres, engeres Mundstück, bremst man damit den Luftstrom ein wenig. Dadurch ist es leichter, die Töne zu treffen und sauber zu intonieren.

„Hat man eine große Tuba mit einer großen Bohrung,
empfiehlt sich ein etwas kleineres Mundstück.“

Wie werden die einzelnen Teile des Mundstücks bezeichnet?

 

Ok, meine Tuba ist jetzt weder riesig noch besonders schlank – ich würde mal behaupten, so mittel … Also wäre schon deswegen ein mittelgroßes Mundstück ganz gut, richtig? Und für Anfänger, hast Du ja schon gesagt, bietet sich das mittlere sowieso erstmal am besten an. Und wenn wir jetzt hier von „mittel“ und „mittelgroß“ reden, dann ist ja bis jetzt immer die Bohrung des Mundstückes gemeint. –

Wie geht’s weiter? Wie weit und wie tief sollte der Kessel meines Tubamundstücks sein?

Frank: Auch da ist wieder die Mitte erstmal das Richtige für Dich. Also: die Mundstücke sind in der Regel in eine vom jeweiligen Mundstückhersteller vorgegebene Systematik eingegliedert. Es gibt für die Kesselbreite oft Nummerierungen von 1 (sehr breit) bis 9 (sehr eng) und für die Kesseltiefe Buchstaben von A bis F. A steht dann für sehr tiefe Kessel und F für sehr flache Kessel. Oft wird übrigens die Bohrung direkt von der Kesseltiefe abhängig gemacht, was auch sehr sinnvoll ist. Das heißt ein mittleres Mundstück für Dich entspräche dann einem Mundstück der Kategorie 5C oder 5D.

„Ein Tubamundstück der Kategorie 5C
hat einen mittelbreiten und mitteltiefen Kessel.“

Ich dachte immer, dass es für die Wahl der Kesselbreite auch wichtig ist, welche individuellen physiologischen Voraussetzungen jemand mitbringt? Oder sind das eher Feinheiten, die am Anfang noch keine so wahnsinnig große Rolle spielen?

Frank: Ja, klar hat das auch einen wichtigen Einfluss. Lippengröße, Zahnstellung, Kieferstellung usw. sind wichtige Faktoren dafür, ob man sich mit einem Mundstück wirklich wohlfühlt oder nicht. Aber am Anfang ist eine aufwendige physiologische Analyse meiner Meinung nach nicht sooo ultra-wahnsinnig wichtig, solange man mit seinem Mundstück soweit ganz gut klarkommt. – Um beim Auto kuppeln zu lernen, braucht man ja auch keinen Ferrari … 😉

Danke, Frank!

(… Und mein allererstes, eigenes Tubamundstück bin ich mir eine Etage tiefer im Laden dann übrigens auch gleich kaufen gegangen. Franks Tipp, ein 5C-Mundstück zu nehmen, hat sich noch am gleichen Abend als guter Tipp herausgestellt, denn im Vergleich fiel mir das Üben mit meinem neuen 5C-Mundstück doch um einiges leichter als mit dem 3B-Mundstück meines Bekannten.)