Die Kosten fürs Klavierstimmen liegen bei regelmäßig gepflegten Instrumenten und einer jährlichen Stimmung meist zwischen 100 und 200 Euro. Wer sein Klavier richtig pflegen und mögliche Folgekosten besser einschätzen möchte, erfährt in diesem Beitrag, wie oft ein Klavier gestimmt werden sollte, welche Arbeiten zur Instandhaltung dazugehören und wann zusätzlich eine Regulierung der Mechanik oder die Pflege beziehungsweise Erneuerung der Hammerköpfe sinnvoll ist.

Dass sich ein Klavier mit der Zeit verstimmt, lässt sich nicht verhindern. Schwankungen bei Luftfeuchtigkeit und Temperatur wirken sich vor allem auf das im Klavier verbaute Holz aus und können dadurch auch die Saitenspannung verändern. Auch sehr intensives Spielen kann, wenn auch in geringerem Maß, zur Verstimmung beitragen. Regelmäßiges Stimmen und fachgerechte Pflege sind deshalb entscheidend für einen sauberen Klang, eine gleichbleibend angenehme Spielart und den langfristigen Werterhalt des Instruments.

Wie stark können die Kosten fürs Klavierstimmen schwanken?

Die Kosten fürs Klavierstimmen können je nach Aufwand deutlich variieren. Bei regelmäßig gepflegten Instrumenten und einer jährlichen Stimmung liegen sie meist zwischen 100 und 200 Euro. Teurer kann es werden, wenn das Klavier lange nicht gestimmt wurde, eine stärkere Tonhöhenkorrektur nötig ist oder zusätzliche Arbeiten an Mechanik, Hammerköpfen oder Spielart hinzukommen. Auch Anfahrt, Region und der allgemeine Zustand des Instruments beeinflussen den Preis. Deshalb lohnt es sich, vorab zu klären, ob es sich um eine normale Stimmung handelt oder ob mit zusätzlichem Wartungsaufwand zu rechnen ist.

Wie oft Klavier stimmen?

Eine gängige Empfehlung zur Häufigkeit des Klavierstimmens lautet: ein Mal pro Jahr. Lässt man sein Klavier weniger oft stimmen, leidet das Instrument an sich zwar nicht sofort darunter, allerdings sehr wohl der Klang und damit irgendwann - je nach Güte des Gehörs - mit ziemlicher Sicherheit auch der Klavierspieler selbst ... Je länger ein Klavier nicht gestimmt wurde, umso länger dauert hinterher dann aber auch der Stimmvorgang, für den mehrere Durchläufe nötig werden können. Neue Klaviere müssen übrigens am Anfang öfter gestimmt werden als gebrauchte Klaviere.

Wann ist der beste Zeitpunkt, ein Klavier stimmen zu lassen?

Der beste Zeitpunkt zum Klavierstimmen ist dann, wenn Temperatur und Luftfeuchtigkeit möglichst stabil sind. Häufig bieten sich dafür die Sommermonate an, da das Raumklima in dieser Zeit oft weniger stark durch Heizungsluft beeinflusst wird. Wichtig ist jedoch: Nach größeren Klimawechseln, etwa zu Beginn oder Ende der Heizperiode, sollte man dem Instrument etwas Zeit geben, sich an die neuen Bedingungen anzupassen, bevor es gestimmt wird.

Klavier selbst stimmen oder doch lieber stimmen lassen?

Ein Klavier selbst zu stimmen, ist in der Praxis nur sehr eingeschränkt empfehlenswert. Beim Klavier werden zahlreiche Saiten mit hoher Spannung über Stimmwirbel reguliert, wobei schon kleine Veränderungen den Klang deutlich beeinflussen können. Ohne Erfahrung, geeignetes Werkzeug und gutes Gehör besteht die Gefahr, das Instrument nicht sauber zu stimmen oder sogar Schäden zu verursachen. Wer nur einzelne Töne leicht korrigieren möchte, sollte trotzdem vorsichtig sein. Für ein gleichmäßiges, stabiles und fachgerecht gestimmtes Klavier ist es in der Regel sinnvoller, einen Klavierstimmer oder eine Klavierstimmerin zu beauftragen.

Was bedeutet es, sein Klavier "regulieren" zu lassen?

Im Zusammenhang mit der Pflege von Klavieren taucht immer auch der Begriff des "Regulierens" auf. Gemeint sind damit verschiedene Korrektur- bzw. Einstellarbeiten an der Klaviatur und der Mechanik eines Klaviers. Wie häufig solche regulierenden Maßnahmen durch den Klavierbauer vorgenommen werden müssen, hängt mit davon ab, wie stark ein Klavier beansprucht, d. h. wie oft es gespielt wird. Ob und in welchem Ausmaß Regulierungsarbeiten am Instrument notwendig oder empfehlenswert sind, darauf weist normalerweise der Klavierstimmer im Rahmen des jährlichen Klavierstimmens hin und überprüft dabei auch die Mechanik.

Klaviatur regulieren lassen

Regulierungsarbeiten an der Klaviatur werden durchgeführt, um wieder für ein optimales Spielgefühl zu sorgen. Solche Regulierungen an der Klaviatur können zum Beispiel sein:

  • Tastenabstände angleichen
  • Tastenführungen optimieren (hängenbleibende Klaviertasten)
  • Tasten wieder auf eine Ebene bringen (z. B. durch den Austausch von Filzscheiben, die sich unter den Tasten befinden)

Mechanik regulieren lassen: Hammerköpfe ausrichten

Zu den Regulierungsarbeiten an der Mechanik kann es zum Beispiel gehören, die Hämmer beziehungsweise Hammerköpfe wieder korrekt auszurichten, damit sie die Saiten gleichmäßig und im richtigen Winkel anschlagen. Je nach Tonbereich werden pro Ton eine, zwei oder drei Saiten angeschlagen; besonders im mittleren und hohen Register müssen die Hammerköpfe den jeweiligen Saitenchor möglichst gleichmäßig treffen, damit ein sauberes und ausgewogenes Klangbild entsteht.

Auch kann es mit der Zeit passieren, dass Hämmer nicht mehr zum optimalen Zeitpunkt gegen die Saiten geschleudert werden. Wird der Hammer beispielsweise zu früh in Bewegung gesetzt (also mit größerem Abstand zur Saite als optimal), schlägt er mit größerer Wucht gegen die Saite. Die Folge ist, dass ein leises oder sehr leises Spiel nicht mehr möglich ist, die Dynamik also sozusagen "flöten" geht.

Diese und viele weitere Fein- und Feinstabstimmungen in der komplizierten Klaviermechanik können von erfahrenen Klavierstimmern mit dem richtigen Werkzeug ohne Probleme durchgeführt werden.

Hammerköpfe aufarbeiten

Spielt man regelmäßig Klavier, ist es völlig normal, dass die Hammerköpfe bzw. deren Befilzung nach einer gewissen Zeit Abnutzungs- und Alterserscheinungen aufweisen. Einerseits entsteht mit der Zeit durch das Aufschlagen der Hammerköpfe auf die Saiten eine charakteristische Rillenbildung, andererseits härtet der Filz mit den Jahren aus, verliert also an Elastizität. Mit dem Alter verändert sich dadurch auch der Ton, was die Freude am Spielen mindern kann.

Abhängig vom Grad der Abnutzung kann man, um wieder einen schönen, runden Klavierklang zu erreichen:

  • Hammerköpfe aufarbeiten ("Abziehen")
  • den Filz der Hammerköpfe erneuern
  • die kompletten Hammerköpfe durch neue ersetzen

Die günstigste Variante ist hierbei das sogenannte "Abziehen" (Kosten: einige Hundert Euro). Hierbei wird der Filz des alten Hammerkopfes quasi abgeschliffen, um den Hammerkopf wieder in Form zu bringen. Das Abziehen ist bei leichten Abnutzungserscheinungen die gängige Variante und mehrmals möglich, bevor ein Austausch der Filze bzw. der Hammerköpfe notwendig wird.

Unabhängig davon, ob Hammerköpfe vollständig ersetzt, neu befilzt oder nur abgezogen werden, ist es in einem weiteren Arbeitsschritt notwendig, die Hammerköpfe hinterher wieder neu zu intonieren.

Gut zu wissen Wartungsintensiv: Oberdämpfer-Klaviere

Bei Oberdämpfer-Klavieren handelt es sich um Klaviere mit einer Oberdämpfer-Mechanik. Gerade in der Zeit um 1900 herum wurden relativ viele teilweise auch sehr preiswerte Klaviere gebaut, die über diese Art der Mechanik verfügten. Oberdämpfer-Mechaniken sind aufgrund ihrer Konstruktion wartungsintensiver als Unterdämpfer-Mechaniken und auch der Stimmvorgang gestaltet sich schwieriger und aufwendiger. Dadurch können die Kosten fürs Klavier stimmen im Einzelfall auch über dem üblichen Durchschnitt liegen.

Klaviere mit Oberdämpfung werden heute nicht mehr gebaut. Als Laie erkennt man ein Oberdämpfer-Klavier folgendermaßen: Beim Blick von oben in das Innere des Klaviers verdeckt beim Oberdämpfer-Klavier ein Holzbalken (Dämpferbalken) die Sicht auf die darunter liegenden Hammerköpfe. Beim Klavier mit Unterdämpfer-Mechanik besteht hingegen freie Sicht von oben auf die Hammerköpfe.

Diese Seite wurde zuletzt überprüft und/oder aktualisiert am: 03.07.2026

4 von 7
  1. 1. Einleitung
  2. 2. Kauf von privat
  3. 3. Kauf im Fachhandel
  4. 4. Klavier stimmen lassen: Kosten, Häufigkeit und Wartung
  5. 5. Pflegetipps
  6. 6. Checkliste für gebrauchte Klaviere
  7. 7. Glossar