Digitalpianos: elegante Garanten für kreative Quality Time!

Das Flair der großen Bühnen in den eigenen vier Wänden: Ein Digitalpiano schenkt einem unglaublich viele musikalische Möglichkeiten für inspirierende Mußestunden und verwandelt das eigene Wohnzimmer mal in einen behaglichen Proberaum, mal in einen privaten Konzertsaal.

Einer der Vorteile des Digitalpianos gegenüber einem akustischen Klavier liegt im platzsparenden Design des Instruments. Damit einher geht natürlich auch eine weitaus leichtere Transportierbarkeit - ein Segen, wenn einmal ein Umzug des Instruments in einen anderen Raum oder eine neue Bleibe anstehen sollte! Wenn man dann in der neuen Wohnung den Wunsch hegt, auch zu allgemein üblichen Ruhezeiten an den eigenen Spielkünsten zu feilen, ohne das gute Verhältnis zu den netten Nachbarn auf die Probe zu stellen, ist man mit einem Digitalpiano ein weiteres Mal gut bedient: Es kann stufenlos in seiner Lautstärke reguliert und bei Bedarf auch vollständig auf die Tonausgabe über Kopfhörer umgeswitcht werden.

1. Welches Digitalpiano für Anfänger?

Gerade als Einsteiger sollte man unbedingt darauf achten, dass das Digitalpiano, das man sich anschafft, über eine möglichst gute Klaviatur verfügt. Um von Beginn an ein gutes Gefühl für ein dynamisches, gefühlvolles Klavierspiel entwickeln zu können, sollte das Digitalpiano unbedingt mit anschlagsdynamischen, gewichteten Tasten ausgestattet sein!

Was ist Anschlagsdynamik?

Anschlagsdynamik bedeutet: Wird eine Klaviertaste sanfter angeschlagen, ist auch der resultierende Ton eher sanft und leise. Je kräftiger man die Taste jedoch anschlägt, desto kräftiger und lauter wird auch der sich ergebende Klang. Während wir im alltäglichen Sprachgebrauch unter "dynamisch" vor allem "schwungvoll" (also eben das Gegenteil von langweilig) verstehen, wird der Begriff "Dynamik" in der Musiktheorie übrigens relativ trocken als die "Lehre von der Tonstärke" definiert.

Warum ist die Anschlagsdynamik so wichtig?

Die Anschlagsdynamik, also die Möglichkeit eines akzentuierten Wechselspiels zwischen laut und leise in Abhängigkeit von der Anschlagshärte, führt genau zu dem, was wir uns wünschen: zu einem lebendigen, abwechslungsreichen Spiel mit spannenden Betonungen. Andersherum könnte man auch sagen: Ein Digitalpiano, das keine anschlagsdynamischen Tasten bietet, kann im Grunde genommen nie ein wirklich befriedigendes Spielerlebnis bieten – weder für den Digitalpiano-Einsteiger noch für den erfahrenen Klavierspieler.

Anschlagsdynamik: mechanisch vs. elektronisch

Beim akustischen Klavier wird die Härte des Tastenanschlags bzw. dessen Impuls über die Mechanik des Instruments weitergereicht, bis sie letztendlich über den Schlag des Hammers auf die Saite umgesetzt wird.

Beim E-Piano wird die Härte des Tastenanschlags über unterschiedliche Parameter elektronisch erfasst (zum Beispiel über das Messen der Geschwindigkeit beim Herunterdrücken der Taste) und danach elektronisch bzw. digital in einen Klang umgesetzt. Dabei gibt es, je nach Güte des Digitalpianos, sehr viele Unterschiede, was die Art und Weise der Erfassung bzw. die Feinheit und Qualität der klanglichen Umsetzung angeht.

Die Anschlagsdynamik ist ein ganz entscheidendes Kriterium für ein lebhaftes Klavierspiel.

Was ist Gewichtung?

Die Gewichtung ist der leichte Widerstand, den man spürt, wenn man eine Pianotaste herunterdrückt. Dieser Widerstand bzw. diese Trägheit der Taste entsteht durch den Gegendruck, den die Mechanik auf die Taste ausübt.

Die Mechanik ist bei einem akustischen Klavier das gesamte Konstrukt, das durch den Tastenanschlag in Bewegung gesetzt wird und in seiner Bewegungsabfolge darin gipfelt, dass der Hammer eine Saite anschlägt und damit den Ton erzeugt. Um die Mechanik über die Taste in Bewegung zu setzen, ist ein gewisser Kraftaufwand notwendig. Eben dieser Kraftaufwand ist als leichter Widerstand beim Herabdrücken der Taste spürbar.

Dieser Videoausschnitt zeigt schematisch, was passiert, wenn man bei einem akustischen Klavier eine Taste anschlägt: Die Taste funktioniert wie eine Wippe. Sie wird vorne heruntergedrückt und hebt mit ihrem Ende die gesamte darüber liegende Mechanik (damit ist die gesamte Hebelkonstruktion gemeint) an.

Gewichtung beim Digitalpiano

Um das Spielgefühl, das man an einem akustischen Klavier hat, möglichst authentisch aufs Digitalpiano zu übertragen, wird die natürliche Gewichtung, die sich bei einem akustischen Klavier automatisch durch die klangerzeugende Mechanik ergibt, bei Digitalpianos simuliert. Zur Simulation dienen – je nach Hersteller – wiederum unterschiedliche mechanische Konstruktionen, die als Bauteile den Widerstand einer akustischen Mechanik nachahmen, gleichzeitig aber für die Klangerzeugung überhaupt keine Rolle spielen.

Beim Tastenmodell von Kawai auf den folgenden beiden Fotos sieht man, wie bei Digitalpianos die Gewichtung akustischer Klaviere nachgeahmt werden kann. Der mit Metall ummantelte "Hammer" simuliert mit seinem Gewicht die Mechanik eines akustischen Klaviers. Drückt man die Taste herunter, wird dieser Hammer über den Hebel, der auf dem Ende der Taste aufliegt, angehoben. Der Kraftaufwand, der hierfür beim Herabdrücken der Taste aufgewendet werden muss, ist nicht besonders hoch, aber spürbar und für ein authentisches Spielgefühl wichtig. Es gibt auch andere Konstruktionen, bei denen sich das Gewicht nicht oberhalb, sondern unterhalb der Taste befindet.

Modell der Tastenfunktionalität bei Kawai-Digitalpianos
Wird die Taste heruntergedrückt, hebt das Ende der Taste die Mechanik im Digitalpiano an.

Für Anfänger nicht unbedingt wichtig – aber trotzdem gut zu wissen!

Unterschiedliche Gewichtung

Bei akustischen Klavieren sind die Tasten für die tiefen Töne schwerer gewichtet als die Tasten für die hohen Töne. Oder ganz vereinfacht gesagt: Die hohen Tasten "gehen leichter" als die tiefen Tasten. Der Grund hierfür liegt in dem Umstand, dass den tieferen Tasten bzw. tieferen Tönen dickere Saiten zugeordnet sind als den hohen Tönen und zum Anschlagen der tieferen Töne/dickeren Saiten schwerere Hämmer verwendet werden als zum Anschlagen der höheren Töne/dünneren Saiten. Man nennt das "unterschiedliche Gewichtung". Besonders spürbar ist dieses Prinzip bei akustischen Flügeln. Sehr hochwertige Digitalpianos simulieren auch diese Feinheit.

Bleigewichte in Tasten

Um den Kraftaufwand beim Anschlagen der tiefen Tasten eines akustischen Flügels zu mindern (siehe auch "Unterschiedliche Gewichtung"), werden im vorderen Bereich der entsprechenden Holztasten Bleigewichte eingearbeitet. Diese machen die Tasten beim Spielen leichtgängiger.

Druckpunktsimulation

Drückt man die Taste eines akustischen Klaviers oder Flügels sachte herunter, spürt man etwa "auf halbem Weg", also wenn die Taste ungefähr zur Hälfte heruntergedrückt ist, einen Widerstand. Ist dieser sogenannte "Druckpunkt" überwunden, funktioniert die Taste wieder vollkommen leichtgängig.

Der Druckpunkt entsteht durch einen Hebelvorgang in der Mechanik. Die Konstruktionen von Mechaniken in akustischen Klavieren und Flügeln können unterschiedlich gestaltet sein, aber der Vorgang, der zu besagtem Druckpunkt führt bzw. das Gefühl der Leichtgängigkeit nach Überwindung des Druckpunktes auslöst, ist vom Grundsatz her überall derselbe:

Das letzte Glied/der letzte Hebel innerhalb der Mechanik-"Kette", das den Hammer in Bewegung setzt und ihn auf die Saite schlagen lässt, steht über ein bewegliches Gelenk mit dem Hammer in Verbindung. Das dem Hammer vorgelagerte Element übt Druck auf den Hammer aus, bis dieser sich aus dieser Verbindung löst, gegen die Saite schnellt und sich anschließend wieder in seine Ausgangsposition begibt. Der Punkt, an dem der Druck von dem vorgeordneten Element auf den Hammer am größten ist, ist als "Druckpunkt" beim Herunterdrücken der Taste spürbar.

Bei hochwertigen Digitalpianos wird das Gefühl dieses mechanischen Druckpunktes simuliert. Man nennt dies "Druckpunktsimulation". Die Druckpunktsimulation dient nur zur Nachahmung eines authentischen Spielgefühls (wie an einem akustischen Instrument) und hat keine klangbeeinflussende Funktion.

Unterschied Gewichtung und Druckpunkt

Viele Menschen verwechseln die Begrifflichkeiten "Gewichtung" und "Druckpunkt" miteinander. Während die Gewichtung dadurch entsteht, dass ein gewisser Kraftaufwand nötig ist, um über das Herabdrücken der Pianotaste die gesamte Mechanik in Bewegung zu setzen, geht es beim Druckpunkt um den Kraftaufwand, der nötig ist, um den Hammer in der letzten Phase des mechanikschen Bewegungsablaufes gegen die Saite zu "schleudern".

Ein E-Piano für die ganze Familie
Ein E-Piano für die ganze Familie
youtube play icon

Keine Überforderung durch zu viele Funktionen!

Weniger ist oft mehr: Beginnt man, Digitalpiano zu lernen, sollte man sich aufs Wesentliche konzentrieren, statt sich mit allzu vielen Funktionen und Effekten abzulenken. Ein geringer, übersichtlicher Umfang an Features ist für die allermeisten Anfänger sinnvoller und oft auch angenehmer als ein Übermaß an technischen Spielereien. Bereits im mittleren bis teilweise sogar niedrigen Preissegment können Einsteiger sehr gute Modelle finden, die eine hochwertige Tastatur bieten, sich aber hinsichtlich des Umfangs an Sounds usw. eher zurückhaltend zeigen.

Funktionen, die Einsteiger beim Lernen und Üben unterstützen

Metronom, Aufnahmefunktion, Twin Piano und Co. sind Features, die für Klavierschüler wirklich hilfreich sind.

Metronom und Aufnahmefunktion

Ein integriertes Metronom ist heute bei Digitalpianos absoluter Standard und auch eine Aufnahmefunktion ist in der Regel vorhanden – je nach Preislage des Instruments in reduzierter oder gehobener Form –, mit der man seine Übungen aufnehmen, sich dann zur Kontrolle anhören oder auch wieder dazu spielen kann.

Twin Piano

Die Funktion "Twin Piano" (je nach Hersteller wird diese Funktion auch als "Duett", "Vierhandmodus" o. Ä. bezeichnet) ist – abgesehen vom reinen Vergnügen, das man damit natürlich auch haben kann – eine praktische Angelegenheit für den Klavierunterricht. Sie teilt die Klaviatur in zwei Hälften, die sich hinsichtlich des Tonumfangs genau entsprechen. Klavierlehrer und Schüler können nun am Piano nebeneinander sitzen – jeder mit seiner eigenen Tastatur – und beispielsweise Tonabfolgen ohne störende Platzwechsel demonstrieren bzw. nachvollziehen.

Übungssongs und Lernapps

Auch eine ansehnliche Auswahl unterrichtstypischer Übungsstücke/Lerndemos findet sich bei vielen Einsteigermodellen. Darüber hinaus verfügen zeitgemäße Digitalpianos natürlich auch über die entsprechenden Anschlüsse für externe Geräte. So können beispielsweise Smartphones, iPads und Co. mit dem E-Piano verbunden und Lernapps eingesetzt werden.

Die Funktion Twin Piano ist toll für den Klavierunterricht.

Bluetoothfähige E-Pianos

Immer mehr Digitalpianos sind mit Bluetoothtechnik ausgestattet und können so kabellos mit externen Geräten, wie beispielsweise Tablets, kommunizieren. Der Einsatz verschiedener Lernprogramme oder anderer Goodies ist hierdurch noch bequemer und einfacher.

Für Kinder, die Klavierspielen lernen möchten, empfiehlt sich von Anfang an ein normales Digitalpianomodell für Erwachsene.

2. Welches Digitalpiano für Kinder?

Von Anfang an ein richtiges Digitalpiano!

Soll ein Kind wirklich ernsthaft Klavier lernen, ist es am sinnvollsten, sich von Anfang an für ein ganz normales Einsteigermodell für Erwachsene mit 88 Tasten, Hammergewichtung und Anschlagsdynamik zu entscheiden (siehe auch "1. Welches Digitalpiano für Anfänger?"). Klavierunterricht wird für Kinder üblicherweise ungefähr ab dem Grundschulalter empfohlen.

Keyboard statt Digitalpiano? Höchstens für das erste halbe Unterrichtsjahr!

Anstelle eines vernünftigen Digitalpianos zunächst – quasi als ultragünstige Alternative "light" – ein Keyboard anzuschaffen, ist grundsätzlich keine gute Idee und macht nur dann Sinn, wenn es darum gehen soll, die Begeisterung des Kindes im Vorfeld ein wenig "abzuklopfen": Ähnelt das Interesse am Tasteninstrument eher einem kleinen Strohfeuer, das den Kauf eines ernstzunehmenden Instrumentes vermutlich hinfällig zu machen scheint? Oder lohnt sich die Anschaffung eines veritablen Digitalpianos, da die Freude an den Tasten beim Kind offensichtlich durchaus konstant bleibt?

Ist abzusehen, dass das Kind langfristig wirklich Klavier lernen will, sollte möglichst rasch auf ein gutes Einsteiger-Digitalpiano umgewechselt werden, da nur auf diesem ein authentisches Spielgefühl und damit auch das richtige Feeling für den Umgang mit der Musik vermittelt werden kann. Die Verwendung eines Keyboards statt eines Pianos für den Klavierunterricht ist allerhöchstens für das erste halbe Unterrichtsjahr akzeptabel.

Eine Echtholzklaviatur ist bei einem Digitalpiano schon eine tolle Sache!

3. Welches Digitalpiano für Fortgeschrittene?

Erfahrene Klavierspieler lieben die gewissen Extras, mit denen Digitalpiano-Modelle der höheren Preissegmente auftrumpfen. Hochwertige Echtholztastaturen, ausgeklügelte, in allen Feinheiten ausgearbeitete Klänge, ein Universum unterschiedlicher Styles und Sounds sowie ein Lautsprechersystem der gehobenen Klasse sind einige Kriterien, die man in diesem Zusammenhang nennen kann.

Beschichtete Tasten

Während bei preiswerten Einsteigermodellen reine Kunststofftasten üblich sind, werden bei höherwertigeren Instrumenten die Tastenoberflächen der weißen Tasten mit synthetischem Elfenbein beschichtet. Diese besondere Oberflächenbeschichtung ahmt nicht nur die Optik von echtem Elfenbein nach (natürliches Elfenbein war früher der traditionelle Standard für den "Belag" auf den weißen Klaviertasten), sondern imitiert vor allem auch das Gefühl, das eine Elfenbeinlage beim Spielen bietet.

Tasten, deren Oberflächen mit synthetischem Elfenbein überzogen sind, lassen sich um einiges griffiger und insgesamt einfach angenehmer spielen als reine Kunststofftasten mit glatter Oberfläche. Mit synthetischem Elfenbein bzw. mit Ebenholz veredelte Echtholztasten werden bei Digitalpianos zur gehobenen Ausstattung gezählt.

Ausgeklügelte Sensorsysteme

Bei hochwertigen Digitalpianos kommen ausgeklügelte Sensorsysteme zum Einsatz, die dafür sorgen, dass alle Feinheiten des Klavierspiels in der Klangwiedergabe authentisch berücksichtigt werden. Sensoren erfassen hierfür die Bewegung und die Bewegungsgeschwindigkeit jeder einzelnen Taste während des Spielens.

Klangreproduktion und Lautsprecher

Digitalpianos der gehobenen Preisklasse trumpfen im Vergleich zu günstigeren Einsteigermodellen mit besonders fein ausgearbeiteten Klängen und Resonanzsimulationen auf. Pate für die digital reproduzierten Klänge sind dann zum Beispiel berühmte Konzertflügel, deren beeindruckende Charakteristik detailreich abgebildet wird. Ebenfalls eine wichtige Rolle für einen Spitzenklang spielen auch die Güte und das räumliche Konstrukt der eingesetzten Lautsprechersysteme.

Yamaha CVP-800
Yamaha CVP-800
youtube play icon

Quellen/Fotos:
de.wikipedia.org/wiki/Anschlagsdynamik
de.wikipedia.org/wiki/Dynamik_(Musik)
patent-de.com/19960530/DE69116596T2.html
pixabay.com/de/gekritzel-pfeil-zeigen-steigen-1388119/
pixabay.com/de/photos/klavier-musik-werkzeug-musiker-3831642/
pixabay.com/de/photos/musik-klavier-schlüssel-hände-2113873/
rolandmusik.de/blog/wie-bluetooth-ihre-art-paino-zu-spielen-verandern-kann/
zapiano.com/klaviertastatur/

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am: 10.03.2020, Autor: Jutta Kühl