Auf „A guads Neis!“ mit der Blaskapelle Bad Bayersoien

Auf „A guads Neis!“ mit der Blaskapelle Bad Bayersoien

In Bad Bayersoien, einem Ort, der etwa 20 km vom Musikhaus Kirstein bzw. Schongau entfernt ist, gibt es den schönen Brauch des Neujahrsanblasens: Kurz vor Silvester machen sich Musiker der Blaskapelle Bad Bayersoien auf den Weg, um die Anwohner des Dorfes mit einem Ständchen zu erfreuen und auf diesem Wege jedem ein gutes Hineinkommen in das neue Jahr zu wünschen.

Dabei ist es nicht etwa so, dass Ständchen und gute Wünsche für die Dorfbewohner im Rahmen eines zentralen Vorspielens, beispielsweise auf dem Dorfplatz, überbracht würden. – Nein, so bequem machen es sich die Mitglieder der Blaskapelle nicht! – Der besondere Clou der ganzen Sache besteht darin, dass die Soier Musiker tatsächlich von einem Haus und einer Familie zur anderen ziehen und die musikalischen Wünsche als ganz persönliche Botschaft vor jeder einzelnen Haustür überbringen.

 

Blaskapelle Bad Bayersoien. Neujahrsanblasen. Foto © Blaskapelle Bad Bayersoien

 

Bei ihrer zwei Tage lang dauernden „Runde“ trotzen die Bläser auch jedem noch so widrigen Wetter. Ich selber wohne in einem zu Bayersoien gehörenden Weiler und kann mich gut an ein Jahr erinnern, als ich unsere Haustür öffnete und die Neujahrsanbläser dort bei klirrender Kälte in einem regelrechten Schneesturm in ihren Trachten stehen sah. Was soll ich sagen? Das Ständchen wurde gespielt, da ließen sich die Musiker auch nicht von eingefrorenen Instrumenten und eiskalten Fingern aufhalten oder beeindrucken …

 

Blaskapelle Bad Bayersoien. Neujahrsanblasen. Foto © Blaskapelle Bad Bayersoien

 

Das Neujahrsanblasen ist natürlich nur einer von sehr, sehr vielen Terminen, die die Blaskapelle Bad Bayersoien jedes Jahr wahrnimmt. Grund genug, die regional ansässige und gleichzeitig weit über die bayerischen Grenzen hinaus bekannte Blaskapelle mit ihrem Wirkungsfeld, ihrer Geschichte, ihren Musikern und Instrumenten einmal genauer vorzustellen.

Josef „Sepp“ Felix, Leiter der Blaskapelle Bad Bayersoien, war auf meine Anfrage hin – unkompliziert und sympathisch, wie man ihn kennt – auch gleich bereit, sich Zeit für ein Interview mit mir zu nehmen. – Und ich freue mich heute schon darauf, wenn die Neujahrsanbläser in ein paar Wochen wieder vor meiner Tür stehen, ihr wunderbares Ständchen bringen und von ganzem Herzen wünschen: „A guads Neis!“

 

Blaskapelle Bad Bayersoien. Große Besetzung. Foto © Blaskapelle Bad Bayersoien

 

„Eine Gemeinde ohne Blaskapelle? Das wäre nicht denkbar!“

Sepp, Du bist schon recht lange Dirigent der Blaskapelle Bad Bayersoien. Bist Du in Bayersoien auf- und damit quasi mit in die Kapelle hineingewachsen?

Sepp: Nein, ich bin in Hofheim bei Murnau, am Riegsee, aufgewachsen, aber inzwischen schon seit 25 Jahren Dirigent der Blaskapelle Bad Bayersoien. Bevor ich hier Dirigent wurde, habe ich – ich spiele selber Akkordeon und Klarinette – diesen Job bereits zehn Jahre lang bei der Musikkapelle Spatzenhausen gemacht, in die ich mit 14 Jahren eingetreten bin.

Welche Rolle spielt die Blaskapelle für Bayersoien und das Dorfleben?

Sepp: Die Blaskapelle ist einer der wichtigsten Kulturträger in einer bayerischen Gemeinde. Wir spielen zu sämtlichen kirchlichen und weltlichen Anlässen, z. B. bei der Fronleichnams- und Herz-Jesu-Prozession, beim Christkindlmarkt, bei Messen, auf Beerdigungen und natürlich auch bei Hochzeiten und sonstigen geselligen Veranstaltungen wie Bierzelt- und Gartenfesten. – Eine Gemeinde ohne Blaskapelle? Das wäre nicht denkbar!

„Die Blaskapelle ist einer der wichtigsten Kulturträger
in einer bayerischen Gemeinde.“

Gleichzeitig sind wir für Bad Bayersoien natürlich auch Aushängeschild und Werbeträger. Wir sind schon in zahlreichen Fernsehsendungen wie dem „Musikantenstadl“ aufgetreten. Oder im Oktober 2015 waren wir zum Beispiel beim „Wiesnfrühschoppen“ zu sehen, der im Bayerischen Fernsehen live übertragen wurde. Und dann gibt es auch noch unsere jährlichen Tourneen mit der „Musikparade“, einer Blas- und Militärmusikshow.

Unsere Hauptaufgabe liegt allerdings bei den wöchentlichen Sonntagskonzerten in Bad Bayersoien. Ebenfalls ein Mal pro Woche gibt es von Anfang Mai bis Ende September das Soier Weisenblasen, das sich sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Gästen großer Beliebtheit erfreut.

 

Blaskapelle Bad Bayersoien. Oide Wiesn beim Oktoberfest 2015. Foto © Blaskapelle Bad Bayersoien

 

Blaskapelle Bad Bayersoien. Weisenblasen. Foto © Blaskapelle Bad Bayersoien.

Was können diejenigen, die noch nie etwas davon gehört haben, sich unter dem Weisenblasen vorstellen?

Sepp: Bei uns im alpenländischen Raum werden beim Weisenblasen Volkslieder und Jodler oftmals von zwei Flügelhörnern gespielt. Das Soier Weisenblasen ist zusätzlich noch besonders schön und romantisch, weil es zum Sonnenuntergang auf dem Soier See stattfindet: die beiden Weisenbläserinnen fahren dann mit einem kleinen Holzkahn auf den See und spielen dort.

„Das Soier Weisenblasen ist
besonders schön und romantisch.“

Die tragenden Klänge, die man rund um den See weithin hören kann, und der Ort, an dem das Weisenblasen stattfindet, verbreiten zusammen eine ganz besonders gefühlvolle Atmosphäre.

Ihr seid, soweit ich weiß, auch sehr engagiert, was die musikalische Ausbildung der Jüngeren angeht?

Sepp: Ja, wir sind sehr bemüht, dauerhaft Nachwuchs zu finden und zu fördern. Um dieses Ziel umzusetzen, haben wir mehrere unterschiedliche Aktionen und Angebote ins Leben gerufen. Wir veranstalten zum Beispiel jährlich einen Tag der offenen Tür sowie ein Schülerkonzert „Jugend musiziert“. Außerdem kann man bei uns immer gerne auch einfach mal Instrumente ausprobieren und Probestunden bei unseren Fachlehrern von der Musikschule und dem Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen wahrnehmen.

„Wir sind sehr bemüht, dauerhaft
Nachwuchs zu finden und zu fördern.“

Und wie sieht dann der musikalische „Werdegang“ aus, wenn ein Kind sich wünscht, irgendwann mal bei Euch mitzuspielen?

Sepp: Zunächst lernen die Kinder ihr Instrument – Blockflöte, Querflöte, Klarinette, Saxophon, Oboe, Fagott, Trompete, Flügelhorn, Waldhorn, Tenorhorn/Bariton, Posaune, Tuba oder Schlagzeug – im Einzelunterricht. Nach etwa einem Jahr ist dann schon die erste Stufe erreicht und es geht mit dem Schülerorchester „Noten-Chaoten“ weiter. Hier lernen die Schüler dann in kleineren Gruppen das Zusammenspiel. Mit Absolvierung des „Bronzenen Abzeichens“ geht’s dann in der Jugendkapelle weiter. Dort „erspielen“ sich die jugendlichen Nachwuchsmusiker schließlich das „Silberne Abzeichen“ und haben dann ein Alter und einen Leistungsstand erreicht, der sie befähigt, in der „großen“ Kapelle mitzumachen.

 

Blaskapelle Bad Bayersoien. Jugendkapelle Ammertal. Foto © Blaskapelle Bad Bayersoien

 

Die Blaskapelle Bad Bayersoien blickt ja inzwischen auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück. Auf Eurer Homepage kann man lesen, dass die Anfänge bis ins Jahr 1827 zurückreichen. Zum Schmunzeln ist die Anekdote, dass es 1876 „Schelte“ vom damaligen Pfarrer gab, „am Vormittag zur Ehre Gottes zu spielen und am Abend mit den gleichen Instrumenten dem Teufel zu dienen“. – Diese Sichtweise hat sich ja nun offensichtlich und glücklicherweise nicht durchgesetzt!   – Man könnte schon sagen, dass Ihr einerseits zwar auf jeden Fall die Tradition hochhaltet, aber gleichzeitig auch viel Wert auf moderne Elemente in Eurer Arbeit legt, ist das richtig?

„Am Vormittag zur Ehre Gottes spielen
und am Abend mit den gleichen Instrumenten
dem Teufel dienen…“

Sepp: Das ist vollkommen richtig. Wir pflegen die Tradition bezüglich Bayerisch-Böhmischer Musik und treten natürlich in der hiesigen Tracht auf. Das ist für uns verpflichtend und normal – eine Selbstverständlichkeit eben. Aber ohne Frage legen wir auch Wert auf moderne Elemente, besonders, was unser musikalisches Repertoire angeht. Wir spielen gerne die ganze Bandbreite und dazu gehören auch aktuelle Titel, Oldies, Swing, Rock. Neuzeitliche Arrangements sind zum Beispiel genauso fester Bestandteil unserer Sonntagskonzerte wie Klassik oder traditionelle Musik. – Die Abwechslung macht’s!

„Wir treten in der hiesigen Tracht auf.
Das ist für uns normal.
Aber wir legen auch Wert auf moderne Elemente.“

Wir von der Blaskapelle Bad Bayersoien sind sowieso ein lebensfroher, „bunter Haufen“, der allem Neuen insgesamt sehr aufgeschlossen gegenübersteht. So haben wir beispielsweise unter anderem in einer Filmproduktion für die Ammergauer Alpen mitgewirkt. Berührungsängste kennen wir eigentlich nicht. Im Gegenteil: neue Herausforderungen und spannende Projekte werden von uns immer gerne angenommen.

 

Blaskapelle Bad Bayersoien. Berlin Tattoo 2013. Foto © Blaskapelle Bad Bayersoien

Die Blaskapelle Bad Bayersoien beim Berlin Tattoo 2013.

Blaskapelle Bad Bayersoien. Alphornbläserinnen. Foto © Blaskapelle Bad Bayersoien

Alphornbläserinnen der Blaskapelle Bad Bayersoien.

Blaskapelle Bad Bayersoien. Bayersoien in Flammen 2013. Foto © Blaskapelle Bad Bayersoien

Bayersoien in Flammen 2013.

Blaskapelle Bad Bayersoien. Musikparade 2015. Foto © Blaskapelle Bad Bayersoien

Die Blaskapelle Bad Bayersoien bei der Musikparade 2015, Europas größter Tournee der Militär- und Blasmusik.

 

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