Saxophon Ratgeber

Das Saxophon wird aus Metall gefertigt und gehört doch zur Familie der Holzblasinstrumente – ein Umstand, der bei vielen Menschen, die erst beginnen, sich mit diesem Instrument zu beschäftigen, immer wieder für Verwirrung sorgt. Woher diese Einordnung kommt, wann das Saxophon erfunden wurde und welche interessanten Fakten es noch rund um das Saxophon gibt, erläutert unser Basisratgeber.

Das Saxophon ist im Vergleich zu anderen Instrumenten noch gar nicht so wahnsinnig alt. – Der belgische Instrumentenbauer Adolphe Sax erfand das Instrument um 1840 und ließ es sich einige Jahre später in Frankreich patentieren. Obwohl Sax mit seinem Saxophon in Paris praktisch über Nacht berühmt wurde, war ihm dennoch zu Lebzeiten kein wirklicher, vor allem kein wirtschaftlicher, Erfolg mit diesem besonderen Blasinstrument vergönnt.

Seinen Siegeszug in der Musik trat das Saxophon erst gut dreißig Jahre nach dem Tod von Adolphe Sax an. Jazzmusiker in den USA entdeckten das Instrument für sich und machten es zu einem der populärsten Soloinstrumente im Bereich dieses Musikstils. "Phon" ist übrigens ein aus dem Griechischen stammender Wortbestandteil, der so viel wie "Klang" oder "Ton" bedeutet.

1. Klang und Einsatzbereiche

Vielleicht liegt es daran, dass das Saxophon in den allermeisten Fällen als Soloinstrument eingesetzt wird: gerade die Saxophonisten gelten als Musiker, die in besonderem Maß auf der Suche nach ihrem persönlichen, individuellen Sound am Saxophon sind. Die richtige Mischung von Durchsetzungskraft, Dynamik und Volumen erfordert viel Erfahrung und Übung. Ein Saxophon kann je nach Spieltechnik weich oder hart, laut und röhrend oder auch zurückhaltend klingen, das heißt das Saxophon ist sehr flexibel, was seinen Klang anbetrifft. Großen Einfluss auf den jeweiligen Klang hat neben der Spieltechnik auch das Mundstück in Kombination mit Blatt und Ligatur.

Jazz: charakteristisches Soloinstrument

So vielfältig die Klangvariationen beim Saxophon sein können, so unterschiedlich sind auch die musikalischen Bereiche, in denen es eingesetzt wird. Eine besonders herausragende Rolle kommt dem Saxophon in der Jazzmusik zu. Es gibt heute wohl kaum ein Jazzensemble, das auf das Saxophon als charakteristisches Soloinstrument verzichtet.

Der besondere Klang des Saxophons wird sehr gerne auch für experimentelle, avantgardistische Stücke genutzt. Als das Saxophon in den Jazz Einzug hielt, wurde es in Windeseile extrem populär.

Es konnte sich als Blasinstrument hervorragend gegenüber den anderen Instrumenten – zum Beispiel Trompeten – behaupten, was seine Lautstärke anbetraf, gleichzeitig steuerte das Saxophon eine warme Klangfarbe bei, die von Experten häufig auch als "holzig" und "streichernah" bezeichnet wird.

Der Jazz im Nationalsozialismus

Weder der Jazz noch das Saxophon als ein für diesen Musikstil typisches Instrument waren im Dritten Reich gern gesehen. In Hetzkampagnen war von "Negerjazz" die Rede, Komponisten moderner Musik wurden als Vertreter der sogenannten "Entarteten Musik" verfolgt, Jazz wurde verboten. Hier drei interessante Info-Links zum Thema:

Darstellung einer gezeichneten Jazz-Band, aufgebracht auf die Fensterscheibe eines Pubs.

Blasorchester und Jazzorchester: Bindeglied zwischen Holz- und Blechbläsern

Auch, oder gerade, in Blasorchestern ist das Saxophon Bindeglied zwischen den Klangbereichen der Holzbläser und der Blechbläser. Das Saxophon hat sich als Standardbesetzung für Blasorchester erst ab etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts langsam durchgesetzt. Meistens findet sich die Besetzung mit zwei Alt- und je einem Tenor- und Baritonsaxophon. In reinen Jazzorchestern (Big Bands) etablierte sich ab den 1940er Jahren eine ganz ähnliche Besetzung, allerdings mit zwei statt nur einem Tenorsaxophon.

Rock'n'Roll, Ska und Popmusik: Tenorsaxophon

Im Rock'n'Roll findet zwar auch das Altsaxophon Verwendung, in den allermeisten Fällen wird allerdings das Tenorsaxophon eingesetzt. Typisch ist der oft "röhrende", massive Klang des Instruments. Das Tenorsaxophon setzt sich im Rock'n'Roll wie auch im Ska als treibendes Soloinstrument in Szene. In der Popmusik der 1980er Jahre hatten die Saxophonparts dagegen häufig einen sehr "schmachtenden" Charakter. Ein berühmtes Beispiel für den Einsatz des Tenorsaxophons im Ska ist der Titel "One Step Beyond" von Madness.

Traditionelle Volksmusik vs. volkstümliche Musik

In der traditionellen Volksmusik wird das Saxophon so gut wie gar nicht eingesetzt. Wenn überhaupt, dann kommen Alt- und Tenorsaxophone am ehesten als Nebenstimmen vor. Ein wenig anders verhält es sich mit dem Genre der volkstümlichen Musik, die sich stark an den Schlager anlehnt. Dort ist das Saxophon immer wieder als fester Bestandteil der Bandbesetzungen zu finden.

Mundstück eines Saxophons mit Blatt.

2. Warum das Saxophon zu den Holzblasinstrumenten gehört

Das Saxophon hat zwar einen Metallkorpus, aber die Töne – genauer: die Schwingungen, die für die Tonerzeugung Voraussetzung sind – werden über ein Mundstück erzeugt, an dem ein sogenanntes "Blatt" aus Holz oder Kunststoff angebracht ist. Da Blasinstrumente aufgrund der Art ihrer Tonerzeugung (und nicht aufgrund des Korpusmaterials) der Familie der Blech- oder der Familie der Holzblasinstrumente zugeordnet werden, zählt das Saxophon damit zu den Holzblasinstrumenten. Während nämlich bei Holzblasinstrumenten die Schwingungserzeugung über besagtes Blatt erfolgt, werden die Schwingungen bei Blechblasinstrumenten über die Schwingung bzw. Vibration der Lippen selbst erzeugt.

3. Bauformen

Die am weitesten verbreiteten Saxophone sind das Tenorsaxophon, das Altsaxophon, das Sopransaxophon und das Baritonsaxophon. Neben diesen Bauformen gibt es zwar noch weitere, wie zum Beispiel das Sopraninosaxophon oder das Subkontrabasssaxophon, allerdings gelten diese eher als Exoten. Hier in unserem Basisratgeber gehen wir daher ausschließlich auf die vier gängigen Modelle ein.

Sopransaxophon

Das Sopransaxophon ist das kleinste der vier gängigen Saxophone und hat gleichzeitig den höchsten Klang. Es ist in B gestimmt und wird in der Regel als Soloinstrument gespielt. Der Klang des Sopransaxophons ist durchdringender als der anderer Bauformen und wird oft als etwas "näselnd" beschrieben. Gleichzeitig sind Sopransaxophone schwieriger zu spielen als Alt- oder Tenorsaxophone. Viele Musiklehrer raten deshalb vom Sopransaxophon als Einsteigerinstrument ab.

Eine Besonderheit bei den Sopransaxophonen besteht darin, dass es sie in gebogener und gerader Bauweise gibt, wobei die gerade Variante die beliebtere unter den Saxophonisten ist. Sopransaxophone gerader Bauweise können wiederum mit geradem oder leicht gebogenem S-Bogen gespielt werden. Am S-Bogen befindet sich die sogenannte Oktavklappe.

Sopransaxophon der Marke Lechgold in gerader Bauweise mit zwei S-Bögen (gerade und leicht gebogen).

Sopransaxophon der Marke Lechgold in gerader Bauweise. Zum Sopransaxophon gehören ein gerader und ein leicht gebogener S-Bogen.

Altsaxophon

Auch das Altsaxophon hat eine noch relativ hohe Lage, klingt aber tiefer als das Sopransaxophon. Es ist in Es gestimmt. Die Krümmung des S-Bogens fällt weit deutlicher aus als beim Sopransaxaphon.

Zusammen mit dem Tenorsaxophon gehört das Altsaxophon zu den beliebtesten und am weitesten verbreiteten Bauarten.

Es eignet sich sehr gut als Anfängerinstrument und ist etwas kleiner und leichter als das Tenorsaxophon. Zudem liegt es aufgrund seiner Größe sehr gut in der Hand und man muss beim Spielen normalerweise vergleichsweise wenig Kraft einsetzen. Einer der bekanntesten Altsaxophonisten war der Jazzmusiker Charlie Parker.

Altsaxophon der Marke Roy Benson.

Altsaxophon der Marke Roy Benson. Die Krümmung des S-Bogens ist beim Altsaxophon sehr viel stärker als beim Sopransaxophon gerader Bauweise.

Tenorsaxophon

Das Tenorsaxophon hat eine mitteltiefe Lage und ist in B gestimmt. Am S-Bogen hat es eine charakteristische, zweifache Krümmung. Das Tenorsaxophon klingt etwas tiefer als das Altsaxophon und ist auch etwas größer und schwerer als dieses.

Das Tenorsaxophon bietet sich aufgrund seiner Größe als Einsteigerinstrument für schon etwas ältere Kinder und natürlich Erwachsene an.

Der sogenannte "Subtone" – ein sanfter, fast gehauchter Sound – wird vorzugsweise auf dem Tenorsaxophon umgesetzt. Das Tenorsaxophon wiegt zwischen drei und vier Kilogramm.

Tenorsaxophon der Marke Yamaha.

Tenorsaxophon der Marke Yamaha. Die charakteristische Krümmung des S-Bogens ist deutlich erkennbar.

Baritonsaxophon

Das Baritonsaxophon hat eine tiefe Lage und ist in Es gestimmt. Sein Klang ist besonders warm und satt. Es ist das größte und schwerste Saxophon der vier gängigen Bauformen.

Die Form dieses imposanten Instrumentes unterscheidet sich deutlich von der des Alt- oder Tenorsaxophons: Direkt hinter dem S-Bogen ist das Hauptrohr mehrfach gewunden und der Schallbecher ist weitaus länger als bei den beiden anderen Bauformen. Das Rohr des Baritonsaxophons weist insgesamt eine Länge von über zwei Metern auf. Das Gewicht beträgt um die sechs Kilogramm.

Baritonsaxophon der Marke Yamaha.

Baritonsaxophon der Marke Yamaha. Direkt hinter dem S-Bogen ist das Hauptrohr mehrfach gewunden.

4. Aufbau

Altsaxophon mit Bezeichnungen zu verschiedenen Bauteilen.

Adolphe Sax

Der Erfinder der Saxophons, Adolphe Sax, wurde 1814 in Belgien geboren und verstarb im Alter von knapp 80 Jahren in Paris. Sax hatte zehn Geschwister. Sein Vater war Kunsttischler und eröffnete 1835 in Brüssel eine Instrumentenbauwerkstatt. Adolphe Sax studierte unter anderem Flöte, Klarinette und Gesang am Brüsseler Konservatorium. Er war ein hervorragender Klarinettist.

In der Werkstatt seines Vaters erfand Adolphe Sax die heutige, moderne Form der Bassklarinette, die er 1838 zum Patent anmeldete. Einige Jahre später entwickelte er als völlig neues Instrument zunächst das Bass-, später das Sopransaxophon. Auch anderen Musikinstrumenten gab Sax eine neue Gestalt, so zum Beispiel Trompeten, Hörnern, Tuben. Im Auftrag Giuseppe Verdis baute Sax auch mehrere Aida-Trompeten. Trotz seiner Berühmtheit starb Sax verarmt.

Materialien

Saxophonmundstücke gibt es aus unterschiedlichen Materialien. Am weitesten verbreitet sind Mundstücke aus Kunststoff und Metall. Das Material des Mundstücks beeinflusst den resultierenden Klang nur unerheblich. Ob ein Saxophonist ein Mundstück aus Kunststoff oder Metall für sich bevorzugt, hängt in allererster Linie von seiner subjektiv empfundenen Vorliebe für das eine oder das andere Material ab.

Beide Materialien sind robust und beständig, wobei Metall noch etwas mehr Flexibilität in der Fertigung erlaubt. Metallmundstücke können bei gleichen Stabilitätskriterien schmaler und dünnwandiger konstruiert werden als Kunststoffmundstücke und werden aus diesem Grunde häufig von Spielern bevorzugt, die lieber auf etwas kleineren Mundstücken spielen.

Bahnöffnung

Großen Einfluss auf den Klang haben die Bahnöffnung, das Blatt sowie die Kammer des Mundstücks. Auf der Unterseite des Mundstücks wird das Blatt mithilfe einer Blattschraube befestigt. Zwischen der Spitze des Mundstücks und dem Blatt ergibt sich immer automatisch ein kleiner Abstand, der "Bahnöffnung" genannt wird. Je weiter die Spitze des Saxophonmundstücks nach oben "gekrümmt" ist, desto größer wird die sich zwischen dem Blatt und der Mundstückspitze ergebende Bahnöffnung.

Geschlossene und offene Bahnöffnungen

Einsteiger tun sich in der Regel mit einer kleineren ("geschlossenen") Bahnöffnung leichter als mit einer weit geöffneten. Bei kleineren Bahnöffnungen hat das Blatt nicht so viel Platz zum Schwingen wie bei großen ("offenen") Bahnöffnungen und ist vom Saxophonspieler besser zu kontrollieren. Für geschlossene Bahnöffnungen werden stärkere Blätter benötigt, für offene Bahnöffnungen leichtere, flexiblere Blätter. Weite Bahnöffnungen ermöglichen vollere, variablere Töne, erfordern aber auch ein höheres Maß an Übung und Fertigkeit des Saxophonisten.

Kammer

Einfluss auf den Klang hat auch der Innenraum des Mundstücks. Sehr vereinfacht kann man sagen, dass größere Kammern einen wärmeren, grundtonreicheren Klang erzeugen als kleinere Kammern mit weniger Volumen. Diese ermöglichen einen Klang mit mehr Obertönen, klingen also etwas heller und schärfer. Auch die Oberflächenbeschaffenheit sowie die Form der Tonkammer wirken sich entscheidend auf den Klang aus.

Foto eines Mundstücks und Zeichnung eines Mundstücks mit Bezeichnungen.

Vereinfachte Darstellung eines Längsschnitts durch ein Saxophonmundstück. Die Kammer im Innern des Mundstücks sowie die Bahnöffnung und das Blatt beeinflussen den Klang des Saxophons erheblich.

Der S-Bogen ist das Bindeglied zwischen dem Mundstück und dem Korpus des Saxophons. Er kann aus unterschiedlichen Materialien, zum Beispiel Messing, Goldmessing oder Silber, hergestellt werden. Goldmessing besitzt einen höheren Kupferanteil als Messing und hat den Ruf, besonders weich und rund zu klingen.

Mundstück und S-Bogen

Je nachdem, wie weit man das Mundstück auf den Kork des S-Bogens aufschiebt, verändert sich der resultierende Ton. Schiebt man das Mundstück weiter auf den Kork auf, wird der Ton höher, zieht man das Mundstück etwas weiter heraus, wird der Ton tiefer.

Dieser Effekt hängt mit der Veränderung der Gesamtlänge des Instruments zusammen. Mehr Länge bedeutet: tieferer Ton, weniger Gesamtlänge bedeutet: höherer Ton. Über das stärkere Aufschieben oder Herunterziehen des Mundstücks kann man das Saxophon also stimmen.

Oktavklappe

Am S-Bogen ist eine sogenannte Oktavklappe angebracht, die über einen Hebel am Korpus des Instruments bedient wird. Eine zweite Oktavbohrung befindet sich am Korpus selbst. Die beiden Oktavklappen erweitern den gespielten Tonumfang um eine Oktave. Beide Klappen werden mit ein und demselben Hebel bedient.

Insgesamt hat ein Saxophon, je nach Bauart und Größe, um die 20 bis 25 Tonlöcher, die über Klappen abgedeckt werden. Ein Hebelmechanismus erlaubt das gruppenweise Öffnen der Klappen. Bei den Klappen handelt es sich um Metallklappen, deren Deckelunterseiten hohl und mit einem Polster aus Filz und Leder ausgefüllt sind. Die größeren Klappen können zusätzlich über Auflagen aus Metall oder Kunststoff verfügen ("Resonatoren").

Für das Saxophonspiel ist es extrem wichtig, dass die Klappen richtig schließen, deshalb sollte man sie von Zeit zu Zeit immer einmal wieder überprüfen bzw. überprüfen lassen. Schließt eine Klappe nicht richtig, kann das sowohl an einem nicht mehr intakten Polster als auch an einer fehlerhaften Mechanik liegen.

Die meisten Saxophone haben acht Perlmuttknöpfe. Fünf davon befinden sich im oberen Bereich des Korpus und werden mit der linken Hand bedient, drei weitere Knöpfe liegen weiter unten und werden mit der rechten Hand gegriffen. Bei den Perlmuttknöpfen handelt es sich um Fingerauflagen, über die die verbundenen Klappen und Klappenmechaniken bedient werden. Die Einlagen der Perlmuttknöpfe werden übrigens sehr oft nicht aus echtem Perlmutt, sondern aus Perlmuttimitat hergestellt.

Achsen sind bewegliche Teile innerhalb der mechanischen Konstruktion, über die die Klappen des Saxophons bedient werden. Es gibt längere und kürzere Achsen. Um die Mechanik des Instruments wieder auf Vordermann zu bringen und einen leichtgängigen Lauf der Mechanik zu gewährleisten, ist es in gewissen Zeitabständen notwendig, die Achsen und Achshülsen zu reinigen und zu ölen. Es kann auch vorkommen, dass einzelne Achsen wieder begradigt werden müssen.

Der nach oben auslaufende Schallbecher (Ausnahme: gerade Form des Sopransaxophons) ist je nach Bauart unterschiedlich breit und lang. Es gibt Saxophone mit abnehmbarem Schallbecher. Der Vorteil liegt hier in den besseren Möglichkeiten, das Instrument zu warten oder zu reparieren. Handgehämmerten Schallbechern wird ein besonders guter Klang nachgesagt.

Der Klappenschutz sitzt vor den unteren Klappen des Saxophons, damit diese keinen Schaden nehmen, wenn man das Instrument beispielsweise abstellt.

Der Daumenhaken befindet sich an der Rückseite des Saxophons. Der Daumen der rechten Hand wird unter den Daumenhaken gesetzt, um das Instrument während des Spielens abzustützen und in Position zu halten.

Daumenhaken eines Saxophons.

5. Material

Saxophone werden aus unterschiedlichen Metalllegierungen hergestellt: meistens aus Messing, teilweise aus Kupfer oder sogar auch aus massivem Silber. In Ergänzung zum Basismaterial erfolgt die Veredelung der Korpusoberfläche.

Auswirkung der Veredelung auf den Klang

In den meisten Fällen handelt es sich bei der Veredelung (auch: "Finish") um eine Lackierung mit Klarlack oder Goldlack. Es gibt aber auch Instrumente, die beispielsweise versilbert werden. Die Meinungen darüber, ob oder inwieweit unterschiedliche Oberflächenbehandlungen sich auf den Klang des Saxophons auswirken, gehen weit auseinander. – Unbestritten ist, dass für den individuellen Sound eines Saxophons andere Bestandteile wie Mundstück, Blatt oder S-Bogen wesentlich ausschlaggebender sind.

Veredelung als Schutz

Die Oberflächenbehandlung dient aber nicht nur rein optischen Aspekten. Die Behandlung schützt den Saxophonkorpus vor äußeren Einflüssen wie Luftfeuchtigkeit oder Schweiß. Besonders widerstandsfähig sind Instrumente, die vernickelt oder versilbert werden.

Einfluss des Korpusmaterials auf den Klang

Das Basismaterial, aus dem der Korpus gefertigt wird, mag sich zwar grundsätzlich auf den Klang des Saxophons auswirken, spielt aber - wie auch die Oberflächenveredelung - im Vergleich zu den Komponenten "Blatt" oder "Mundstück" eine eher untergeordnete Rolle. Klangunterschiede aufgrund unterschiedlicher Korpusmaterialien können nicht pauschalisiert, sondern nur im Direktvergleich zweier baugleicher Instrumente ausgemacht werden und sind auch dann häufig so fein, dass man schon sehr geübt sein muss, um sie objektiv beurteilen zu können.

Ausgefallene Korpusmaterialien

Neben den gängigen Saxophonen aus Metalllegierungen gibt es auch Saxophone aus Bambus (gebogene Form) und Taschensaxophone aus Holz (gerade Form). Das Taschensaxophon klingt wie eine Mischung aus Saxophon und Klarinette. Beiden Modellen fehlt die saxophontypische Klappenmechanik, vielmehr werden die Holzinstrumente über Tonlöcher gespielt, wie man sie auch von Flöten kennt. Die Tonlöcher werden also beim Spielen direkt durch die Finger abgedeckt. Wie viele andere Instrumente, gibt es inzwischen auch Saxophone aus Kunststoff.

Jugendliche Saxophonspieler in einem Musikverein.

6. Saxophon lernen

Welche Bauform?

Für den Einstieg ins Saxophonspiel empfehlen die meisten Musiklehrer ein Alt- oder Tenorsaxophon, da diese beiden Bauformen einfacher zu spielen sind als das Sopran- oder das Baritonsaxophon. Für Kinder eignet sich aufgrund seiner geringeren Größe und damit einhergehend des geringeren Gewichts das Altsaxophon noch besser als das Tenorsaxophon.

Ab welchem Alter?

Kinder können ab einem Alter von etwa neun Jahren beginnen, Saxophon zu lernen. Nach oben hin sind dann keine Grenzen gesetzt: auch Senioren können dieses Instrument noch ohne Weiteres erlernen.

Die richtige Körper- und Spielhaltung

Um Rückenprobleme, Nackenschmerzen und andere unangenehme Begleiterscheinungen zu vermeiden, gibt es einige Punkte, die man beim Spielen des Saxophons berücksichtigen sollte. Das richtige Saxophonzubehör leistet hierbei hilfreiche Unterstützung.

Körperhaltung

Ganz allgemein sollte man versuchen, seinen Rücken beim Spielen möglichst gerade zu halten. Das wird gewährleistet, wenn der Kopf nicht zum Mundstück hin bewegt/geneigt werden muss, sondern das Saxophon sich in einer Höhe befindet, in der das Mundstück quasi schon "wie von alleine" im Mund liegt. Je entspannter die Haltung dabei ist, desto besser. Das gilt im Stehen genauso wie im Sitzen, wobei vielen das Atmen im Stehen leichter fällt bzw. als angenehmer empfunden wird.

Tragegurt

Es macht oft einen so federleichten Eindruck, wenn man einen geübten Saxophonisten sein Instrument spielen sieht. Doch der Schein trügt: Das Saxophon hat ein nicht unerhebliches Eigengewicht (ein Tenorsaxophon wiegt um die drei bis vier Kilogramm), das während des Spielens gestemmt werden muss. Für die meisten Saxophonisten ist deshalb ein Tragegurt, der das Gewicht des Instruments aufnimmt und erträglicher macht, unabdingbar. Neben Nackengurten, die als Schlaufe um den Hals gelegt werden, gibt es auch Rückengurte, die das Gewicht noch besser verteilen. An der Rückseite des Saxophons befindet sich ein Ring, an dem die Gurte festgemacht werden.

Daumenhaken

Der Daumen der rechten Hand sollte so wenig Gewicht wie möglich von oben abstützen müssen, sondern das Saxophon vielmehr in Position halten (und auch das ist – vor allem auf Dauer – schon anstrengend genug!). Das Gewicht des Saxophons sollte über den Tragegurt abgefangen werden, das heißt dass der Gurt so eingestellt werden muss, dass das Saxophon in einer angenehmen Ausgangslage für Arme und Finger hängt. Ein Indiz für die richtig eingestellte Länge des Gurtes ist es, wenn das Mundstück sich auf Höhe des Mundes befindet.

Daumenschoner

Da der Daumen in der "Daumenhaken-Position" vor allem bei längerem Spielen immer wieder relativ viel Druck ausübt, gibt es spezielle Daumenschoner für Saxophonisten, die Druckstellen am Daumen verhindern und Folgeschmerzen vermeiden können.

Einfacher Nackengurt der Marke Classic Cantabile für Saxophone.
Kreuzgurt mit Schulterpolsterung der Marke Neotech für Saxophone.

Musikermedizin

Berufsmusiker werden oft mit Leistungssportlern verglichen, denn die körperlichen und psychischen Belastungen, denen Berufsmusiker ausgesetzt sind, sind nicht zu unterschätzen. Der Bereich der Musikermedizin befasst sich schwerpunktmäßig mit der Prävention gesundheitlicher Beschwerden von Musikern.

Deutsche Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin e. V.

Freiburger Institut für Musikermedizin

Artikel auf BR Klassik zum Thema "Musizieren im Alter".

Spieltechnik und Atmung

Griffweise

Alle Bauformen der Saxophone werden grundsätzlich auf die gleiche Art und Weise gegriffen. Die Griffe des Saxophons ähneln dabei den Griffen der Blockflöte sehr, obwohl das Saxophon natürlich im Gegensatz zur Blockflöte über Klappen und Klappenmechaniken verfügt. Musikern, die schon gewisse Fertigkeiten auf der Blockflöte haben, fällt deshalb der Umstieg aufs Saxophon meistens nicht besonders schwer, zumindest was die Griffweise anbetrifft. Gänzlich anders als bei der Blockflöte ist hingegen der Ansatz beim Saxophonspielen.

Ansatz

Unter "Ansatz" versteht man die Lippen- und Kieferstellung, mit der das Mundstück im Mund platziert wird. Es gibt unterschiedliche Ansatzkonzepte. Ein gängiger Ansatz besteht darin, die Schneidezähne oben auf das Mundstück aufzusetzen (mit etwa einem Zentimeter Abstand zur Mundstückspitze) und mit der Unterlippe von unten leicht gegen das Blatt zu drücken. Das Blatt wird vor dem Spielen etwas angefeuchtet, um es elastischer zu machen.

Bissplatte

Bissplatten sind kleine Gummiauflagen, die auf das Mundstück aufgeklebt werden können und die Schneidezähne/oberen Zähne schützen, die beim Spielen auf das Mundstück aufgesetzt werden. Bissplatten schwächen die Stärke der Vibrationen, die vom Mundstück auf die Zähne übertragen werden, ab. Nebeneffekt: auch das Mundstück selbst wird geschützt. Bissplatten gibt es in unterschiedlichen Stärken.

Atmung

Die richtige Atemtechnik fürs Saxophonspielen zu erlernen, gelingt nicht von heute auf morgen und erfordert regelmäßige Atemübungen.

7. Pflege und Reinigung

Saxophone sollten in regelmäßigen Abständen überprüft und gegebenenfalls gewartet werden, um zum Beispiel das dichte Schließen der Klappen zu gewährleisten und für eine optimale Spielbarkeit des Instruments zu sorgen. Neben der Überprüfung durch den Fachmann gibt es verschiedene Maßnahmen, mit denen man selbst dafür Sorge tragen kann, dass das Saxophon möglichst gut in Schuss bleibt.

Saxophonständer

Das Saxophon ist ein relativ empfindliches Instrument, mit dem entsprechend sorgsam umgegangen werden sollte. Ein Saxophonständer ist deshalb ein sinnvolles Zubehörteil, das man sich als Saxophonspieler anschaffen sollte. Mit seinen komplexen, mechanischen Teilen ist das Saxophon auf einem gepolsterten Ständer immer gut und sicher aufgehoben. Für die unterschiedlichen Bauformen gibt es verschiedene Stative.

Kork des S-Bogens

Zur Pflege des Korks am S-Bogen sollte dieser immer mal wieder mit Korkfett behandelt werden. Der Kork bleibt dann länger geschmeidig und wird nicht so schnell porös. Das Mundstück lässt sich auf einen gut gepflegten Kork besser aufschieben und die Kork-Mundstück-Verbindung schließt zuverlässig dicht ab. Das Korkfett sollte immer dann zur Anwendung kommen, wenn der Kork zu trocken wird und beim Aufschieben des Mundstücks ein knarzendes Geräusch entsteht.

Klappen und Klappenpolster

Beim Spielen sollte man darauf achten, nicht unnötig viel Druck auf die Klappen und zugehörigen Mechaniken auszuüben. Um vernünftig Saxophon spielen zu können, ist es unabdingbar, dass die Klappen bzw. die Polster das Tonloch richtig abdecken. Die Klappenpolster müssen hierzu intakt und möglichst flexibel sein. Um die Klappenpolster vor Feuchtigkeit zu schützen, gibt es spezielle Pflegemittel für Lederpolster. Die Klappenpolster sollten außerdem nach jedem Spielen mit Reinigungspapier getrocknet werden.

Korpus

Um die Korpusoberfläche zu reinigen, gibt es spezielle Poliertücher, mit denen zum Beispiel vorsichtig Fingerabdrücke entfernt werden können. Das Innere des Korpus wird mit einem sogenannten Durchziehwischer gereinigt und von Feuchtigkeit befreit. Der Durchziehwischer hat ein langes Band, an dessen Ende ein Gewicht eingearbeitet ist. Dieses schwerere Bandende lässt man über den Schallbecher ein und führt es durch den Korpus zur schmaleren Halsöffnung. Der Durchziehwischer wird dann über das Band vorsichtig durch den Korpus hindurchgezogen.

Mundstück

Alleine schon aus hygienischen Gründen sollte das Mundstück nach jedem Spieleinsatz sorgfältig gereinigt und getrocknet werden. Es gibt hierfür spezielle Wischer, man kann aber alternativ auch ein einfaches Taschentuch verwenden. Zur Reinigung und Desinfektion gibt es im Handel auch besondere Mundstückreiniger, die für Metallmundstücke genauso geeignet sind wie für Kunststoffmundstücke. Eine Selbstverständlichkeit sollte es sein, nach dem Spielen immer das Blatt und die Blattschraube vom Mundstück zu entfernen.

8. Glossar

Aida-Trompete: Lange Fanfarentrompete, die speziell für die Aufführungen von Verdis "Aida" gebaut wurde. Adolphe Sax baute für Verdi mehrere dieser Aida-Trompeten.

Alto: Altsaxophon

Ansatz: Art und Weise, wie das Mundstück positioniert und angespielt wird; Lippen-/Kieferstellung

Bb: B (Stimmung); internationale Bezeichnung

Bell: (engl. = "Glocke"); Schallbecher

Big Band: Jazzorchester; Tanzorchester

Blatt: Schwingungserzeuger bei Holzblasinstrumenten; flaches Stück, zum Beispiel Schilfrohr, das an einem Mundstück befestigt wird. Der Ton wird durch das Vibrieren des Blattes erzeugt. Saxophonblätter gibt es auch aus Kunststoff.

Blatthalter: Blattschraube; befestigt das Blatt am Mundstück

Bohrung: Öffnung am Ende des Mundstücks

Daumenhalter: wird auch Daumenhaken genannt

Eb: Es (Stimmung)

Ensemble: kleinere Gruppe von Musikern

Fenster: Öffnung an der Unterseite des Mundstücks

geschlossene Bahn: kleine Bahnöffnung; Der Abstand zwischen Blatt und Mundstückspitze ist sehr gering.

Growl: (engl. to growl = brummen, knurren); rollender, knurrender, aggressiv anmutender Klang, der dadurch erzeugt wird, dass zusätzlich zum gespielten Ton gleichzeitig ins Saxophon "gesungen" wird.

Grundstimmung: Tonhöhe des Instruments; Ein Es-Altsaxophon klingt zum Beispiel 1 ½ Töne höher als ein Instrument, das in C gestimmt ist. Für die Grundstimmung spielt unter anderem die Länge des Instruments eine Rolle.

Jazz: entstand um 1900 in den USA als eigene Musikrichtung

Key Guard: (engl.) = Klappenschutz

Korpus: Klangkörper eines Musikinstruments

Ligatur: aus dem Lateinischen (ligare = binden, zusammenfügen); Blattschraube, die das Blatt am Mundstück befestigt

offene Bahn: weite Bahnöffnung; Der Abstand zwischen Blatt und Mundstückspitze ist größer.

Orchester: größer besetztes Instrumentenensemble, bei dem einige Stimmen mehrfach besetzt sind

Pads: Klappenpolster

Palm Keys: Seitenklappen

Reed: (engl.); Rohrblatt, Blatt

Register: Instrumentengruppe; zum Beispiel Holzbläser in einem Orchester

Resonator: Auflage aus Metall oder Kunststoff, die am Polster an der Innen-/Unterseite der Klappe befestigt ist

Saxhörner: Blechblasinstrumente; Bügelhörner nach Bauart des Blasinstrumentenbauers Adolphe Sax.

Schallstück: Schallbecher

Soprillo: Mini-Saxophon, das in B gestimmt ist und eine Oktave über dem Sopransaxophon liegt. Das Soprillo ist 30 cm lang, das kleinste Saxophon der Welt und wird exklusiv von der Firma Benedikt Eppelsheim Blasinstrumente hergestellt.

Subkontrabasssaxophon: tiefstes und größtes Saxophon; Erfinder ist – wie beim Soprillo – Benedikt Eppelsheim.

Subtone: coole, heisere, sanfte, luftige Klangfarbe; wird vor allem in ruhigen Songs eingesetzt; Bei der Tonerzeugung wird nur so viel Druck wie unbedingt nötig eingesetzt.

Tonlochkamin: Die Tonlöcher des Saxophons haben einen kleinen, nach oben stehenden Rand, schließen also nicht eben mit dem Korpus ab. Diese Form nennt man Tonlochkamin.

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am: 18.05.2021, Autor: Jutta Kühl

Quellen/Fotos:
blasorchester-solingen.de/wissen/blasorchester.htm
de.wikipedia.org/wiki/Adolphe_Sax
de.wikipedia.org/wiki/Holzblasinstrument
de.wikipedia.org/wiki/Musikermedizin
de.wikipedia.org/wiki/Saxophon
de.wikipedia.org/wiki/Soprillo
de.wikipedia.org/wiki/Subkontrabasssaxophon
jupiter.info/de/wissen/profitipps/saxophontipps.html
ndr.de/info/Wer-erfand-Saxophon,audio76725.html
pixabay.com/de/illustrations/schreibtisch-muster-kunst-3045123/
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revierpassagen.de/27850/erfinder-des-saxophons-vor-200-jahren-wurde-adolphe-sax-geboren/20141105_1115
saxophon4u.de/auswahl/technik.htm
saxophonforum.de/library-articles/interview-mit-benedikt-eppelsheim.28/?page=1
saxophon-lernen.org
saxwelt.de
stefanweilmuenster.de/pdf/Stefan_Weilmuenster-Eine_kleine_Geschichte_ueber_das_Saxophon.pdf