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So pflegen Sie Ihr Klavier

Allgemeines

Klavier Steinmayer M20

Klaviere und FlĂŒgel bestehen zum grĂ¶ĂŸten Teil aus Holz. Sie sind dafĂŒr konstruiert, sich in demselben Klima "wohl zu fĂŒhlen" wie wir Menschen. Holz ist ein natĂŒrlicher Werkstoff, der auf die gegebenen KlimaverhĂ€ltnisse reagiert. Werden bestimmte Mindestanforderungen an das Raumklima nicht eingehalten, kann diese Eigenschaft negative Folgen haben und zu beachtlichen SchĂ€den am Instrument fĂŒhren.

Standortfaktoren

Da ein Klavier sehr empfindlich auf UmwelteinflĂŒsse reagiert, sollten Sie es nicht direkt an der Heizung oder an einem Ofen aufstellen, direkter Sonnenbestrahlung aussetzen (bei geöffnetem FlĂŒgeldeckel noch wichtiger) oder in feuchten RĂ€umen (Keller) aufstellen. Sie sollten es auch vermeiden, das Klavier direkt in stĂ€ndigen Durchzug zu stellen. 

Standortfaktor Fußbodenheizung

Klaviere/FlĂŒgel und Fußbodenheizungen vertragen sich nicht optimal miteinander. Die aufsteigende, warme Zug-Luft (im Klavier unterstĂŒtzt durch die Kaminzugwirkung) wirkt unmittelbar auf das Material. Das Risiko von sehr schnell auftretenden BeschĂ€digungen ist in diesem Falle sehr hoch (z.B. Risse im Resonanzboden und Stimmstock). Falls Ihr Instrument in einem Raum mit Fußbodenheizung steht, sollten Sie auf jeden Fall regelmĂ€ĂŸig die Faktoren zum richtigen Raumklima ĂŒberprĂŒfen und das Instrument regelmĂ€ĂŸig stimmen lassen (mindestens zwei Mal jĂ€hrlich).

Raumklima

Klaviere haben auch ein empfindliches Innenleben. Quelle Foto: pixabay

Holz passt sich mit einer geringen zeitlichen Verzögerung dem Raumklima an. Je nachdem, wie hoch der Wassergehalt in der Luft ist (relative Luftfeuchtigkeit), kann auch der Wassergehalt im Holz steigen und fallen. Holz verĂ€ndert sein Volumen in AbhĂ€ngigkeit von seiner Feuchte. Aber nicht nur das Holz quillt und schwindet, sondern auch die im Klavier/FlĂŒgel verbauten Materialien Leim, Filz und Papier reagieren darauf. Diese VerĂ€nderungen spielen sich zwar im Bereich von wenigen Millimetern ab, sie sind jedoch oft unmittelbar am Klang und TastengefĂŒhl zu erkennen. Es ist besonders wichtig, dass die Luftfeuchtigkeit in dem Raum, in dem das Klavier steht, möglichst konstant gehalten wird. Starke Luftfeuchtigkeits- und Temperaturschwankungen und extrem hohe oder niedrige Werte können an Ihrem Klavier große SchĂ€den anrichten! Die relative Luftfeuchtigkeit im Raum ist durch ein Hygrometer messbar.

Das ideale Raumklima liegt bei 18° C bis 24° C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50% bis 70%.

Es sollte darauf geachtet werden, dass die relative Luftfeuchtigkeit nicht um mehr als 30% schwankt, und sich keinesfalls dauerhaft ĂŒber 75% oder unter 45% rel. Luftfeuchte einstellt. 

Der FlĂŒgel C7 von Yamaha

Bei zu großer Luftfeuchtigkeit (zum Beispiel, wenn der Sommer sehr feucht ist) nimmt das Holz so viel Wasser auf, bis der SĂ€ttigungspunkt erreicht ist. Wenn jetzt keine Luftzirkulation stattfindet, fĂ€ngt es an zu schimmeln und die Stahlsaiten und Wirbel korrodieren. Filzteile quellen ebenfalls und Tasten bleiben hĂ€ngen. Im Extremfall können sich sogar Leimverbindungen lösen. Damit dies nicht geschieht, sollten Sie den Raum regelmĂ€ĂŸig kurz und stoßweise lĂŒften. 

Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit (im Winter, wenn stark geheizt wird, aber auch an besonders trockenen Sommertagen) schwindet das Holz und zieht sich zusammen. Dadurch können Risse entstehen, Mechanikteile können verklemmen und Tasten können klappern oder schwergĂ€ngig werden. Sinkt die Luftfeuchtigkeit auf unter 40% rel. Luftfeuchte ab, sollten Sie unbedingt einen Luftbefeuchter aufstellen, der die Raumluft und somit indirekt das Instrument befeuchtet. (An kalten und trockenen Wintertagen versorgt ein solches GerĂ€t die Luft mit mehreren Litern Wasser; ein kleines GefĂ€ĂŸ auf der Heizung oder im Klavier reicht deshalb in diesem Fall leider nicht mehr aus!)

Eine regelmĂ€ĂŸige Kontrolle der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Klavierpflege. Bei falschem Raumklima können SchĂ€den sehr schnell auftreten und deuten sich hĂ€ufig nicht ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum an.

Pflege

Moderne Klaviere und FlĂŒgel sind meist mit Polyesterlack hochglanzpoliert. Solche Lacke können Sie am besten mit einem feuchten Fensterleder reinigen. Bei starker Verschmutzung geben sie einen Schuss Glasreiniger ins Wasser oder benutzen eine spezielle Klavierpolitur. Die Tasten reinigt man am besten mit einem nur leicht mit SpĂŒlwasser angefeuchteten Tuch. Dabei muss  unbedingt darauf geachtet werden, dass kein Wasser und kein SpĂŒlmittel zwischen die Tasten lĂ€uft! Die Tasten sind seitlich aus unbehandeltem Holz, und quellen schnell auf, was ein HĂ€ngenbleiben der Tasten zur Folge haben kann.

Fehlersuche

  • Klangliche Fehler werden meist von Ă€ußeren Faktoren verursacht oder beeinflusst.
  • HĂ€ngende oder schwergĂ€ngige Tasten sind meist Anzeichen falscher Luftfeuchte/ Raumtemperatur.
  • Ein Klirren oder Rasseln des Instruments ist meist auf andere im Zimmer mitschwingende GegenstĂ€nde zurĂŒckzufĂŒhren (Tonverwandtschaft). Nur in seltenen FĂ€llen liegt es am Instrument selbst und rĂŒhrt hier zum Beispiel hĂ€ufig vom im Schloss belassenen SchlĂŒssel, vom  Schloss selbst, vom nicht richtig geschlossenen Deckel oder von auf dem Klavier abgestellten GegenstĂ€nden.