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Wie pflege ich meine Gitarre? Foto: pixabay.

Ratgeber Gitarrenpflege

Die Pflegehinweise unseres Ratgebers Gitarrenpflege gelten sowohl für akustische als auch für elektroakustische und E-Gitarren. Gerade was das Thema "klimatische Umgebungsbedingungen" angeht, sollte man sich allerdings immer darüber im Klaren sein, dass eine akustische Konzert- oder Westerngitarre weitaus empfindlicher ist als eine E-Gitarre.

Geschuldet ist dieser Umstand der Tatsache, dass der hohle Korpus einer akustischen Gitarre mit seinen unlackierten Oberflächen im Innern und seinen relativ dünnen Korpuswänden insgesamt immer eine ganz andere Angriffsfläche für ungünstige Gegebenheiten bietet als der robuste Solidbody einer E-Gitarre. Weitere Infos zu den unterschiedlichen Bauweisen und Beschaffenheiten von akustischen, elektroakustischen und E-Gitarren liefert unser Basisratgeber Gitarrenarten.

1. Wie lagere ich meine Gitarre richtig?

Luftfeuchtigkeit

Viele Gitarristen sind sich der Tatsache gar nicht bewusst: Das Thema Luftfeuchtigkeit spielt für Gitarren eine enorm wichtige Rolle, denn Holz ist ein Werkstoff, der arbeitet – das heißt: Holz ist in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen und abzugeben. Werden Gitarren einer zu niedrigen oder zu hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, können ernsthafte Schäden am Instrument entstehen, wobei akustische Gitarren – verglichen mit E-Gitarren – besonders empfindlich auf kritische Klimaumgebungen reagieren.

Im Winter ist die Luft kalt und trocken. Foto: pixabay.

Zu niedrige Luftfeuchtigkeit (besonders im Winter!)

Zu trockene Luft führt dazu, dass das Holz der Gitarre Feuchtigkeit nach außen abgibt. Die möglichen Folgen dieses physikalischen Vorgangs können sein:

  • Das Griffbrett trocknet aus und schrumpft. Sichtbar und spürbar wird dies durch scharfe bzw. überstehende Bundkanten, da das Metall der Bundkanten mit dem Holz des Griffbretts natürlich nicht mitschrumpft.

  • Das Holz der Decke (akustische Gitarren) trocknet aus und zieht sich zusammen. Die sichtbare Folge: die Decke weist eine mehr oder weniger starke Wölbung nach innen/unten auf.

    Gleichzeitig kann es passieren, dass die Saitenlage zu niedrig wird, weil mit der Decke verbundene Teile wie das Griffbrett und der Steg ebenfalls mit nach unten absacken. Diese zu niedrige Saitenlage kann sich in einem Schnarren der Saiten bemerkbar machen.

  • Ausgetrocknetes Holz kann im schlimmsten Fall zu Rissen im Korpus und am Griffbrett führen.

Zu hohe Luftfeuchtigkeit (besonders im Sommer!)

Zu feuchte Luft führt dazu, dass das Holz der Gitarre Feuchtigkeit aufnimmt und aufquillt. Die möglichen Folgen können sein:

  • Die Decke dehnt sich aus und weist eine Wölbung nach außen/oben auf.
  • Verleimte Teile, wie zum Beispiel der Steg, lösen sich.
  • Der Klang der Gitarre verschlechtert sich und im Extremfall kann sogar Schimmel entstehen.

Das richtige Maß an Luftfeuchtigkeit

Die optimale relative Luftfeuchtigkeit liegt in Wohnräumen bei einer Umgebungstemperatur von 20° C bei etwa 45-55%. Messen kann man die Luftfeuchtigkeit mit einem sogenannten Hygrometer. Während die Luftfeuchte im Sommer automatisch eher im oberen Bereich liegt (warme Luft nimmt eher Feuchtigkeit auf als kalte Luft), ist es im Winter umgekehrt: die Luftfeuchtigkeit sinkt schnell auf niedrigere Werte.

Wenn kalte Luft in Wohnräumen durch Heizen erwärmt wird, besitzt sie zunächst eine niedrige Luftfeuchte, ist aber im warmen Zustand dann wieder optimal in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen. Im Winter ist es daher ratsam, in beheizten Räumen für zusätzliche Befeuchtungsquellen zu sorgen, damit die Luft sich – ganz einfach ausgedrückt – ihre Feuchtigkeit nicht aus dem Holz der Gitarre "besorgt", sondern beispielsweise aus Feuchtigkeitsspendern bzw. Luftbefeuchtern, die man an der Heizung anbringen kann. Ist die Luftfeuchtigkeit hingegen in einem Raum zu hoch, kann man hier ganz einfach durch gezieltes Lüften entgegenwirken.

Reagieren manche Hölzer mehr oder weniger als andere?

Die unterschiedlichen Holzsorten, die im Gitarrenbau verwendet werden, reagieren unterschiedlich stark auf zu niedrige oder zu hohe Luftfeuchtigkeitsverhältnisse. Da in den meisten Fällen mehrere verschiedene Hölzer in einem Instrument miteinander kombiniert werden (zum Beispiel bestehen Boden und Zargen einer bestimmten Gitarre vielleicht aus Mahagoni, während die Decke aus massiver Fichte gefertigt ist), ergeben sich zwischen den unterschiedlichen Holzsorten manchmal auch noch zusätzliche Spannungsverhältnisse, weil zum Beispiel Fichte stärker auf Feuchtigkeitsschwankungen reagiert als Mahagoni.

Schwindmaß und Quellmaß
Das Ausmaß, mit dem eine Holzsorte auf Feuchtigkeitsentzug (als Folge zu niedriger Luftfeuchtigkeit) reagiert, wird als "Schwindmaß" bezeichnet. Das Gegenteil, also die Aufnahmefähigkeit von Feuchtigkeit, beschreibt das sogenannte "Quellmaß". Generell reduzieren Lackierungen die Feuchtigkeitsaufnahme und –abgabe eines Holzes, wobei die Holzflächen im Korpusinneren einer akustischen Gitarre ja normalerweise nicht lackiert und damit ungünstigen klimatischen Bedingungen zwangsweise ausgeliefert sind.

Beispiele unterschiedlicher Hölzer, die im Gitarrenbau verwendet werden – je geringer das Schwindmaß, desto geringer die Auswirkungen auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit. Ahorn reagiert beispielsweise weniger stark als Esche oder Mahagoni weniger als Fichte:

Mahagoni » 0,20-0,30%
Ahorn » 0,22-0,30%
Linde » 0,24-0,32%
Fichte » 0,27-0,36%
Esche » 0,27-0,38%

(Angegeben ist jeweils das sogenannte differenzielle, tangentiale Schwindmaß, das heißt das Ausmaß, in dem eine Holzart in Jahrringrichtung schwindet bzw. quillt, wenn die Holzfeuchte sich um 1% ändert.)

Extreme Temperaturschwankungen

Neben einer zu niedrigen oder zu hohen Luftfeuchte tun auch extreme Temperaturen und Temperaturschwankungen der Gitarre alles andere gut. Ist es im Sommer sehr heiß und die Gitarre ist dieser Hitze direkt ausgesetzt (beispielsweise in einem geparkten Auto oder bei direkter Sonneneinstrahlung durch ein Fenster), kann es passieren, dass geleimte Stellen aufweichen und sich lösen. Ist man mit seiner Gitarre in der kälteren Jahreszeit unterwegs, sollte man der Gitarre die Chance geben, sich zu akklimatisieren: Kommt man aus der klirrenden Kälte in einen warmen Raum, tut man seinem Instrument wirklich einen Gefallen, wenn man es zunächst noch im Koffer lässt und erst nach einer Weile herausholt, um einen Temperaturschock zu vermeiden. Heftige Temperaturwechsel können zu Spannungsschwankungen der Materialien und damit zum Beispiel zu feinen Rissen im Lack führen. – Dass die Saiten sich bei Temperaturschwankungen gerne verstimmen, ist da sicherlich das kleinere Problem.

Wie pflege ich den Korpus meiner Gitarre? Foto: pixabay.

2. Wie pflege ich den Korpus meiner Gitarre?

Korpus reinigen

Lackierte Gitarren

Gibson Vintage Reissue Restoration Kit
Das Gibson Vintage Reissue Restoration Kit ist ein Pflegeset, das speziell auf Nitro-Lackierungen abgestimmt ist.

Alle lackierten Gitarren können problemlos mit einem weichen, ganz leicht mit Wasser angefeuchteten Tuch grundgereinigt werden. Daneben gibt es spezielle Reinigungs- und Pflegeserien verschiedener Hersteller.

Unlackierte Gitarren

Unlackierte Gitarren dürfen nicht mit Wasser gereinigt werden! Möchte man an einer naturbelassenen, gewachsten oder geölten Gitarre Verschmutzungen entfernen, empfiehlt sich die vorsichtige Behandlung mit extrem feiner Stahlwolle (Feinheitsgrad 0000). Diese feinste Sorte entfernt nicht nur leichte Schmutzrückstände, sondern dient bei gewachsten und geölten Modellen gleichzeitig auch der Politur.

Gitarrenpolitur

Hochglanzlackierte Gitarren

Gitarrenpolituren glätten die Oberfläche und verleihen dem Instrument einen schönen Glanz. Polituren werden einfach aufgetragen (zum Beispiel aufgesprüht) und die Gitarre dann mit einem Poliertuch poliert. Wichtig ist es, eine universell einsetzbare Gitarrenpolitur zu verwenden, die für alle Lacke geeignet ist, wenn man nicht genau weiß, mit welchem Lack die eigene Gitarre überzogen ist. Denn manche Mittel, die nicht auf Universalanwendungen ausgerichtet sind, könnten unter Umständen empfindliche Nitrolacke angreifen und damit zu bösen Überraschungen führen!

Keine Gitarrenpolitur bei matt lackierten Gitarren!

Bei matt lackierten Gitarren sollte man auf eine Politur mit den gängigen Pflegemitteln verzichten, da dies zu einem unerwünschten, zu starken Glanzeffekt führen und den ursprünglich gewollten Matteffekt zunichtemachen könnte. Matt lackierte Gitarren können von Zeit zu Zeit einfach mit einem nebelfeuchten, weichen Tuch gereinigt werden. Man sollte dabei immer darauf achten, dass die Gitarre nur einem Minimum an Feuchtigkeit ausgesetzt wird, da die schützende Mattlackschicht manchmal sehr sparsam aufgetragen ist.

Wie pflege ich das Griffbrett meiner Gitarre? Foto: pixabay.

3. Wie pflege ich das Griffbrett meiner Gitarre?

Unlackiertes Griffbrett

Die allermeisten Griffbretter sind bei akustischen Gitarren unlackiert. Das offenporige Holz ist den gegebenen klimatischen Verhältnissen direkt ausgesetzt, kann bei ungünstigen Bedingungen austrocknen und im schlimmsten Fall sogar Rissbildungen aufweisen. Grundsätzlich sollte man deshalb auf eine möglichst optimale Raumfeuchte achten (siehe Abschnitt Luftfeuchtigkeit). Zusätzlichen Schutz bietet die Pflege mit Griffbrettöl, die man seiner Gitarre immer dann gönnen kann, wenn man sowieso einen Saitenwechsel plant.

Säubern des Griffbretts

Ein sauberes Griffbrett lässt sich besser bespielen und sieht einfach auch schöner aus. – Um das Griffbrett von Zeit zu Zeit einer kleinen Basisreinigung unterziehen zu können, müssen zunächst die Saiten runter. Anschließend kann das Griffbrett von Schweiß- und Schmutzablagerungen befreit werden. Man verwendet hierfür ein trockenes Tuch oder bei etwas hartnäckigeren Verschmutzungen auch sehr feine Stahlwolle (Feinheitsgrad 0000) oder eine weiche Zahnbürste, mit der zum Beispiel Ablagerungen direkt an den Bundstäbchen gut entfernt werden können.

Einölen des Griffbretts

Ist das Griffbrett gesäubert, kann es anschließend mit speziellem Griffbrettöl behandelt werden. Das Öl wird mit einem kleinen Lappen sanft auf das Griffbrett aufgetragen. Es muss dabei übrigens nicht wer-weiß-wie-viel an Pflegeöl verwendet werden – das Griffbrett muss also keineswegs im Öl schwimmen! Das aufgetragene Griffbrettöl ist nach etwa 20-30 Minuten vollständig in das Holz eingezogen. Jetzt das Griffbrett nochmal mit einem sauberen Tuch überpolieren, die neuen Saiten aufziehen – fertig.

Lackiertes Griffbrett

Ist das Griffbrett einer Gitarre lackiert, bildet dieser Lack für das Holz schon einen erheblichen Schutz, was die klimatischen Rahmenbedingungen angeht. Auch Schmutzablagerungen bilden sich nicht so schnell bzw. lassen sich bei Bedarf im Handumdrehen mit einem leicht angefeuchteten Tuch problemlos entfernen.

Wie pflege ich die Saiten meiner Gitarre? Foto: pixabay.

4. Saitenpflege und Saitenwechsel

Saiten reinigen

String-Cleaner schützen Saiten besonders gut.
String-Cleaner schützen Saiten besonders gut.

Um die Saiten seiner Gitarre einigermaßen in Schuss zu halten, reicht es eigentlich schon aus, sie nach dem Spielen einfach mit einem weichen, trockenen Tuch einzeln abzuwischen. – Schweißablagerungen und fettige Rückstände werden so ganz unkompliziert entfernt. Wer seinen Saiten besonders viel Liebe angedeihen lassen möchte, kann außerdem spezielle Saitenreiniger verwenden, die bis zu einem gewissen Grad für eine längere Lebensdauer und optimierte Beschaffenheit der Saiten sorgen können.

Was sollte ich beim Saitenwechsel beachten?

Im Gegensatz zu Konzertgitarren (Nylonsaiten) verfügen Western- und E-Gitarren zur Stabilisierung des Gitarrenhalses über einen sogenannten Halsspannstab. Die Stabilisierung des Halses ist notwendig, weil die (gespannten) Stahlsaiten einer Westerngitarre sehr hohe Zugkräfte entwickeln. Würde der Hals nicht durch eine Stahlstange verstärkt, würde er sich durch die Zugkräfte der Stahlsaiten extrem durchbiegen oder sogar brechen. – Stahlsaiten haben also nichts auf klassischen Konzertgitarren zu suchen!
Wechselt man die Stahlsaiten seiner Gitarre, ist es nach dem Aufziehen der neuen Saiten eventuell notwendig, die Halskrümmung wieder anzupassen (und damit für eine korrekte Vorspannung zu sorgen), indem man die Spannung des Halsspannstabes justiert. Wie das genau funktioniert, erklärt unser Onlineratgeber "Hals, Saitenlage und Oktavreinheit einstellen".

Warum scheppern die Saiten meiner Gitarre?

Liegen die Stahlsaiten einer Gitarre zu tief, schnarren und scheppern sie beim Spielen auf dem Griffbrett. Eine zu tiefe Saitenlage kann unterschiedliche Ursachen haben: entweder ist die Halskrümmung – beispielsweise nach einem Saitenwechsel – noch nicht richtig eingestellt (der Hals sollte möglichst gerade verlaufen, sich also weder nach unten noch nach oben durchbiegen, wenn man ihn von der Seite betrachtet) oder es sind noch spezielle Justierungen am Steg nochwendig. Eine zu tiefe Saitenlage kann aber – und daran denken die Wenigsten – auch durch falsche Luftfeuchtigkeitsverhältnisse entstehen, womit wir wieder beim Anfang unseres Pflegeratgebers wären …

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am: 24.05.2017, Autor: Jutta Kühl.

Quellen/Bilder:
https://pixabay.com/de/gitarre-seile-instrument-musik-56914/
https://pixabay.com/de/gitarre-winter-musik-schnee-269291/
https://pixabay.com/de/gitarre-spanisch-musik-musical-70481/
https://pixabay.com/de/gitarre-musik-werkzeug-acoustic-1890246/
https://pixabay.com/de/gitarre-seile-instrument-musik-56915/
http://www.delamar.de/gitarre/gitarrenpflege-4123/
http://www.gdholz.net/fachwissen-holz/qls-wie-holz-quilt-und-schwindet.html
http://www.gitarrebass.de/workshops/gitarrenpflege/
http://www.luftfeuchtigkeit-raumklima.de/tabelle.html
http://www.schroeder-hoffert.de/informationen/schwind-und-quellverhalten-von-holz
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwindma%C3%9F_%28Holz%29